Nordenham - Wenn die Sonne aufgeht und die Tierwelt erwacht, fängt der Radau in den Rabenkolonien an. In einem Lärmgutachten, das ein Bremerhavener Ingenieurbüro im Auftrag der Stadt Nordenham erstellt hat, ist von einem „massiven Pegelanstieg“ in der Übergangsphase zwischen Nacht und Morgen die Rede.
Diese am Friedeburgpark, am Ilseplatz und an den Gateteichen ermittelten Lärmwerte seien „eindeutig auf die Laute der Rabenvögel“ zurückzuführen, heißt es in der Expertise. Neu ist die Erkenntnis zwar nicht, aber die gutachterliche Bestätigung des Krähenkrachs bietet der Stadt Nordenham jetzt eine Handlungsgrundlage, um Maßnahmen zum Schutz der Anwohner zu ergreifen. Wie diese aussehen sollen, ist allerdings noch nicht endgültig geklärt.
Umweltausschuss tagt
Der Stadtratsausschuss für Umwelt, Landwirtschaft und Energie hat sich in seiner Sitzung am Mittwochabend mit dem Thema befasst. Dabei stellte der Leiter des Amtes für Stadtentwicklung und Bauordnung, Peter Kania, die Ergebnisse der Lärmimmissionsmessungen vor, die das Ingenieurbüro TED im April, Mai und Juni vorgenommen hatte. Wie berichtet, wurden dabei rund um die Uhr die Schallwerte in den betroffenen Wohngebieten in Nachbarschaft der drei Parkanlagen aufgezeichnet.
Weil keine gesetzlichen Lärmrichtlinien für Rabenvögelvögel existieren, haben die Gutachter die Dezibelwerte mit den Verwaltungsvorschriften abgeglichen, die sich aus dem Bundesimmissionsschutzgesetz und den Normen für Schallschutz im Hochbau ergeben. Mit nächtlichen Mittelwerten zwischen 50,7 und 57,9 Dezibel wurden dabei Lärmbelastungen aufgezeichnet, die Peter Kania als „ganz erheblich“ einstufte. Die Spitzenpegel lagen sogar bei 67,7 Dezibel und damit auf dem Lärmlevel eines Industriegebietes im Hochbetrieb.
„Da müssen wir etwas machen“, bestätigte der Amtsleiter den Handlungsbedarf. Die immer wieder geforderte Vertreibung der schwarzen Vögel habe jedoch den Nachteil, dass sich die Krachmacher dann andernorts im Stadtgebiet niederlassen und dort ebenfalls zum Problem werden könnten. Ziel müsse daher sein, die Krähen „dahin zu bekommen, wo sie nicht stören“.
Als mögliche Maßnahme für den Gateteiche-Park regte Peter Kania an, die hohen Pappeln im Bereich des Sportplatzes und der Schule zu fällen. In der Folge sei davon auszugehen, dass sich die Vögel neue Brutplätze in den weiter entfernten Bäumen zwischen Rathaus und Finanzamt suchen. Mit der Umsiedlung ließe sich die Lärmbelästigung für die genervten Anwohner im Umfeld des Plaatwegs stark verringern. Auch am Ilseplatz wäre laut Peter Kania eine Auslichtung des Baumbestandes ein vielversprechender Ansatz.
Für den Friedeburg-Park hingegen komme die Abholz- und Umsiedlungsmethode nicht in Betracht, weil die Bäume dort zu wertvoll seien. Stattdessen wäre es überlegenswert, Baumkletterer im Frühjahr mit der Entfernung der Nester zu beauftragen.
Panikschreie verbreiten
Die Verwaltung bekam von den Fraktionen die Order, sich beim Landkreis Wesermarsch um eine Ausnahmegenehmigung zum Verscheuchen der Krähen zu bemühen und sich bei anderen Städten über geeignete Methoden zu informieren. Dabei soll auf Antrag der SPD auch in Erwägung gezogen werden, nach dem Vorbild der Stadt Elmshorn eine akustische Vertreibung anzuwenden, bei der Greifvogelrufe und Panikschreie von Artgenossen per Lautsprecher verbreitet werden.
