Düsseldorf - Lehrer in Deutschland fühlen sich nach einer aktuellen Studie kaum gerüstet, um Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam zu unterrichten. Sie beklagen eine schlechte Vorbereitung, mangelhafte personelle und räumliche Ausstattung sowie zu große Klassen.
In einer am Montag in Düsseldorf vorgestellten Umfrage für den Verband Bildung und Erziehung (VBE) beurteilten 77 Prozent der Lehrer das Fortbildungsangebot als „weniger gut“ oder „gar nicht gut“. Laut VBE handelt es sich um die bundesweit erste repräsentative Lehrerbefragung zur Inklusion.
Deutschland hatte sich vor sechs Jahren verpflichtet, die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN) und damit den sogenannten inklusiven Unterricht umzusetzen. Tatsächlich würden die Lehrer „einfach ins kalte Wasser geworfen“, kritisierte VBE-Vorsitzender Udo Beckmann. „Es wird von der Politik billigend in Kauf genommen, dass Inklusion vor die Wand gefahren wird.“
Für 82 Prozent der Befragten war Inklusion kein Bestandteil der Lehrerausbildung. 57 Prozent verfügen über keine sonderpädagogischen Kenntnisse. 55 Prozent gaben an, sie hätten nur wenige Wochen Zeit gehabt, sich auf inklusives Unterrichten vorzubereiten.
Auch die räumliche Situation sei unzureichend, kritisierte Beckmann. 55 Prozent der Befragten gaben an, ihre Schule sei nicht barrierefrei. An fast der Hälfte der Schulen, an denen inklusiv unterrichtet wird, gebe es nicht einmal Räume für Kleingruppen.
98 Prozent der 1003 Befragten sprachen sich zudem für eine Doppelbesetzung aus Lehrern und Sonderpädagogen aus. Derzeit gebe es laut VBE für die einzelnen Klassen allenfalls ein paar Wochenstunden gemeinsam mit einer sonderpädagogischen Fachkraft. Selbst wenn es in drei Viertel aller Inklusionsstunden eine Doppelbesetzung gäbe, fehlten allein in NRW 7000 zusätzliche Sonderpädagogen, sagte Beckmann.
