Von Andreas Herholz,
redaktion Berlin
Frage:
Wieder neue Angriffe auf die Bundeswehr in Afghanistan – gerät die Truppe jetzt unter Dauerfeuer?Gertz:
Angriffe auf unsere Soldaten in Afghanistan sind nicht neu. Aber die Intensität und die Häufigkeit der Attacken ist schon auffällig. Die Taliban haben ganz offensichtlich wieder an Boden gewonnen. Auch im Norden von Afghanistan.Frage:
Auffällig, dass sich die Angriffe in einer Zeit häufen, in der in Deutschland die politische Entscheidung über die Zukunft des Einsatzes ansteht.Gertz:
Die Taliban sind sehr gut informiert und stellen sich auf solche Situationen ein. Hier wird versucht, mit Gewalt Einfluss auf die politische Entscheidung in Deutschland zu nehmen. Die Bundesregierung darf sich davon nicht beeinflussen lassen und hat dies auch bisher nicht getan.Frage:
Das Bundeskabinett hat das neue Afghanistan-Konzept verabschiedet und die Mittel für den zivilen Aufbau erhöht. Reicht das aus, um dort dauerhafte Fortschritte zu erreichen?Gertz:
Das ist sicher ein wichtiger Schritt. Wir sind auf dem richtigen Weg. Aber aus meiner Sicht ist das noch zu wenig. Es gibt ein objektives Missverhältnis zwischen den Aufwendungen für den zivilen Wiederaufbau und den Aufwendungen für den Militäreinsatz. Das betrifft aber nicht nur die deutsche Seite, sondern die Staatengemeinschaft insgesamt.Frage:
Die Opposition spricht von Stückwerk und vermisst ein schlüssiges Gesamtkonzept für Afghanistan. Eine berechtigte Kritik?Gertz:
Diese Kritik ist völlig berechtigt. Es mangelt noch immer an einer effektiven Koordinierung aller Hilfsmaßnahmen der Staatengemeinschaft.Frage:
Sie haben der Bundesregierung vorgeworfen, den Einsatz der Bundeswehr zu verharmlosen und den Kriegnicht beim Namen nennen zu wollen. Wo sehen Sie die Ursachen dafür?
Gertz:
Die Vokabel Krieg ist in Deutschland nicht beliebt. Dafür gibt es gute Gründe. Wir haben von Anfang an einen Kampfauftrag in Afghanistan gehabt.Bernhard Gertz ist Vorsitzender des Deutschen Bundeswehrverbandes
