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NWZonline.de Nachrichten Politik

Interview: Es gibt Morddrohungen am laufenden Band

27.01.2020

Frage: Frau Knobloch, Ihre Familie ist von den Nationalsozialisten verfolgt worden. Ihre Großmutter wurde im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet. Sie selbst lebten als Kind im Versteck und konnten so überleben. Vor 75 Jahren wurde das KZ Auschwitz von der Roten Armee befreit. Sie waren damals 12 Jahre alt. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Knobloch: Das Wort Auschwitz kannte ich als Kind damals nicht. Aber ich kannte das Wort Dachau: Mein Vater ist immer wieder haarscharf einer Verhaftung und dem Konzentrationslager Dachau entgangen. Als jüdische Menschen waren wir isoliert, durften uns nicht mehr bewegen, keine Öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, nicht einmal auf einer Parkbank sitzen. Wir waren Aussätzige. Mein Vater hat schließlich Menschen in Mittelfranken gefunden, die mich aufgenommen, versteckt und mir so das Leben gerettet haben. Sie haben sich in Gefahr gebracht und selbst ihr Leben riskiert. Wer Juden versteckt und geholfen hat, musste mit dem Schlimmsten rechnen. Es war eine schreckliche Zeit voller Angst. Mein einziger Kontakt zur Außenwelt war das Radio, der „Volksempfänger“. Als die Nachricht von der Landung der Amerikaner in der Normandie kam, habe ich gespürt, dass vielleicht der Frieden kommt. Die Amerikaner haben auch unser Dorf befreit und waren die Rettung. Als ich wieder zurück nach München kam, waren dort aber immer noch dieselben Menschen, die uns gedemütigt und gehasst hatten.

Frage: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat in seiner Rede beim World Holocaust Forum und Yad Vashem in Jerusalem beim Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor den bösen Geistern im neuen Gewand gewarnt. Wie erleben Sie diese Geister?

Knobloch: Es sind keine Geister. Sie sind schrecklich real. Es sind vor allem die Politiker der AfD, die den Antisemitismus gesät haben und weiter säen. Die Saat ist hervorragend aufgegangen. In unseren Parlamenten sitzen heute Menschen, die den Judenhass schüren und unsere Demokratie zerstören. Wenn die AfD weiterhin mit diesem Erfolg wie bisher gewählt wird, droht unserem Land eine schwere und unsichere Zukunft. Das ist eine Entwicklung, die uns Juden in Deutschland Angst macht und zutiefst beunruhigt. Viele haben begonnen, sich schon einmal umzuschauen, um Deutschland zu verlassen.

Frage: Was muss im Kampf gegen Antisemitismus geschehen?

Knobloch: Wir brauchen dringend einen Aufschrei: Die Gesellschaft darf nicht länger schweigen, wenn Judenhass alltäglich wird.

Frage: Sie haben Morddrohungen erhalten...

Knobloch: Es gibt Morddrohungen am laufenden Band. Es gibt gar nicht so viele Bäume, wie man mich überall aufhängen will. Der Hass und die Hetze werden nicht weniger. Ich bekomme aber auch sehr viel positive Zuschriften und Zuspruch. Das gibt mir einen gewissen Halt. Es gibt Menschen, die uns unterstützen: Das macht Hoffnung.

Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
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