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NWZonline.de Nachrichten Politik

Was bleibt von der Pandemie?: „Ich würde mir wünschen, dass Kinder so wichtig werden wie Autos“

27.05.2021

Seit eineinhalb Jahren bestimmt die Pandemie unser Leben. Wie hat sich die Gesellschaft in dieser Zeit verändert und was bleibt in der Zeit nach Corona? Im zweiten Teil unseres Interviews spricht Professor Dr. Gesa Lindemann, Soziologin an der Uni Oldenburg, über das Verhältnis zur Politik und die Bedeutung der Schule.

Unsere Verhaltensänderung hatte auch positive Effekte: Das dezentrale , digitale Arbeiten wurde vielerorts durchgesetzt, die normale Grippewelle ist nahezu ausgeblieben. Können Sie sich vorstellen, dass wir bestimmte Verhaltensweisen auch nach der Pandemie beibehalten?

Lindemann: Was sicher bleiben wird, ist die stärkere Durchsetzung digitaler Technologien. Videokonferenzen, Arbeiten im Homeoffice – das ist etwas, was bleiben wird, weil die Coronakrise einen zuvor schon bestehenden gesellschaftlichen Trend verstärkt hat. Das kann man einerseits positiv sehen. Es hat aber auch den Effekt, dass problematische Aspekte, die mit der Digitalisierung einhergehen, weniger in der Kritik stehen. Beispiel Datenschutz: Das war und ist ein hohes Gut und wurde so auch öffentlich in der Vergangenheit kaum in Frage gestellt. Nun sehen wir, dass etwa die Corona-Warn-App in die Kritik gerät, weil sie bestimmte Funktionen eben aufgrund der Datenschutzbestimmungen nicht erfüllen kann. Diese Kritik wäre vor Corona nicht denkbar gewesen. Die Geschäftsmodelle, die auf das Sammeln von Nutzerdaten angewiesen sind, etwa von Google, Microsoft oder Facebook, sind jetzt etwas aus der Kritik geraten. Das haben sie Corona zu verdanken. Was weiterhin bleiben wird ist die Einsicht in die Bedeutung der Schule als gemeinsamen Lernort. Diese Einsicht hat vor Corona gefehlt. Sie sehen es daran, dass Schulen wieder geöffnet werden, auch wenn die Infektionslage dies eigentlich gar nicht angezeigt hätte – weil sie eben wichtig sind als gemeinsamer Lernort, gerade für benachteiligte Schüler. Das könnte dazu führen, dass Schulen besser ausgestattet werden. Wir haben durch die Berichterstattung in der Coronakrise ja auch gelernt, wie schlecht Schulen gerade in hygienischer Hinsicht ausgestattet sind. Es ist nicht selbstverständlich, dass es an deutschen Grundschulen funktionierende Toiletten gibt. Das war vorher vielen überhaupt nicht klar.

Wird diese Entwicklung denn auch nachhaltig wirken?

Lindemann: Da bin ich mir nicht sicher. Ich würde mir wünschen, dass Kinder bei der Regierung einen so hohen Stellenwert bekommen wie Autos. Selbst unter rein ökonomischen Gesichtspunkten müsste es den autofreundlichen CDU-PolitikerInnen wie Angela Merkel oder Andreas Scheuer einleuchten, wie wichtig Kinder sind. Denn Autos, die einmal verkauft sind, werden nicht aktiv an der zukünftigen Wertschöpfung beteiligt sein. Das werden die Kinder sein, die wir ausbilden.

Große Teile der Bevölkerung befürworten die ihnen auferlegten Ein- und Beschränkungen, andere sehen in den Grundrechtseingriffen Zeichen eines zunehmend autoritär handelnden Staates, der durchregiert. Wie hat sich das Verhältnis von Regierenden und Regierten seit Beginn der Pandemie verändert?

Lindemann: Die Art und Weise, wie der Statt durchregiert hat, war gerade auch für viele Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler überraschend. Wir erleben einen Zustand, den ich als Gewaltparadox beschreiben möchte: Wir leben friedlich miteinander, weil es eine Staatsgewalt gibt und wir uns in Konflikten an diese wenden können im Vertrauen, dass sie diese Konflikte regelt. Das vergessen wir gerne. In der Coronakrise sind wir damit konfrontiert worden, dass der Staat durch seine Regelungen und Maßnahmen verdeutlicht, wie stark wir dieser Staatsgewalt tatsächlich unterworfen sind. Ob das das akzeptiert wird, hängt davon ab, in welcher Wirklichkeit wir leben. Wenn potentiell tödlich wirkende Coronaviren Bestandteil unserer Wirklichkeit sind, erscheinen diese Maßnahmen als sinnvoll. Wenn wir in einer Wirklichkeit leben, in der diese Viren kaum gefährlich sind, müssen die Maßnahmen als willkürliche Grundrechtseinschränkung empfunden werden. Oder schlimmer noch als ein Beispiel dafür, wie sehr die Politik von Eliten bestimmt wird, die finstere Machenschaften verfolgen. Und so kommt es natürlich zu Konflikten. Interessant daran ist, wie gespalten die Staatsgewalt reagiert. Wenn man etwa beobachtet, wie die Verstöße gegen Corona-Auflagen bei Demonstrationen behandelt werden, wenn es sich um eine Querdenken-Veranstaltung handelt: Dort handelt die eingesetzte Polizei relativ kulant und deeskalierend. Gegendemonstranten, die sich nicht die die Corona-Regeln halten, werden hingegen relativ grob behandelt. Diese Ungleichbehandlung hat mich doch sehr erstaunt.

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Björn Buske Redakteur / Online-Redaktion
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