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NWZonline.de Nachrichten Politik

Interview: „Lockerung ein gewagtes Spiel“

24.04.2020
Frage: Professor Weber, in Deutschland wurde eine klinische Studie zu einem Corona-Impfstoff-Test an Menschen zugelassen. Ist das schon ein Durchbruch im Kampf gegen das Coronavirus?
Weber: Es ist sicherlich ein enorm wichtiger und großer Schritt nach vorn, aber noch kein Durchbruch. Dafür müsste erst die Wirksamkeit der Impfung nachgewiesen werden, die richtige Dosierung und die Nebenwirkungen sich als minimal erwiesen haben. Diese Studie, die einen neuartigen und vielversprechenden Ansatz mit RNA-Molekülen verfolgt, untersucht zunächst nur die Verträglichkeit und die richtige Dosis. Letztlich wissen wir noch nicht, ob dieser oder ein anderer Impfstoff der Beste ist. Daher ist es wichtig, dass auch möglichst viele andere Studien anlaufen. Im Moment sind alle Tests mit sogenannten Totvakzinen. Diese sind sehr sicher, haben aber den Nachteil, dass man mehrfach impfen muss, bis ein Schutz aufgebaut ist.
Frage: Wann rechnen Sie mit einem Impfstoff?
Weber: Im nächsten Jahr wird es einen Impfstoff geben, vorher kann ich mir das nur schwer vorstellen. Ich rechne damit, dass wir dann mehrere verschiedene Impfstoffe zur Verfügung haben werden. Schließlich wird weltweit daran geforscht und die Arbeiten werden aufgrund der Dringlichkeit finanziell sehr gut gefördert. Es muss aber auch eine Massenproduktion anlaufen. Und es gibt viele Hürden bei der Impfstoff-Zulassung, unter anderem weil sehr darauf geachtet wird, dass es keine toxischen Nebenwirkungen gibt. Dafür müssen eben gewisse Tests gemacht werden, und diese dauern. Sicherheit ist das Wichtigste.
Frage: Ist ein Impfstoff der einzige Weg aus der Corona-Krise?
Weber: Nein, es wird auch parallel an Therapeutika geforscht. Das ist natürlich enorm wichtig, vor allem solange es noch keinen Impfstoff gibt. Die Forschung an Therapeutika ist einfacher. Deshalb bin ich optimistisch, dass Medikamente gegen Covid-19 gefunden werden. Ich kann mir tatsächlich vorstellen, dass das noch in diesem Jahr geschieht. Auf das Malariamittel Chloroquin würde ich allerdings nicht setzen.
Frage: Wie bewerten Sie das Vorgehen der Bundesregierung zur Eindämmung des Virus?
Weber: Die Fallzahlen nehmen ab, was zeigt, dass die bisherige Strategie richtig war. Die Menschen müssen aber weiterhin diszipliniert bleiben, denn die jetzt erlaubten Lockerungen sind ein gewagtes Spiel. Es wäre vielleicht besser gewesen, das Land noch ein bis zwei Wochen weiter im Ausnahmezustand zu halten. Wir haben immer noch 50 000 aktive Corona-Fälle. Das sind zu viele, um jede Neuinfektion zurückverfolgen zu können. Denn das ist das Ziel. Für jeden positiven Fall sollte geklärt werden, wo sich der Patient infiziert hat und wer die Kontaktpersonen sind. Dazu dient ja auch die App, die hoffentlich bald breit eingesetzt wird. Eigentlich sind wir also noch in einem Pandemie-Stadium, wo Lockerungen Schwierigkeiten machen können. Zwar haben wir in Deutschland im Moment genug verfügbare Betten auf den Intensivstationen, aber bei einem erneuten rapiden Anstieg der Fallzahlen wären die Kapazitäten schnell erschöpft. Auf der anderen Seite habe ich die Hoffnung, dass der Sommer dazu beitragen wird, dass sich das Virus weniger stark ausbreitet. Dennoch wird es eine Weile dauern, bis wir alle Einschränkungen aufheben können. Dafür müssen die Infektionszahlen weiter heruntergehen. Ich schätze, dass es nur noch 50 bis 100 neue Infektionen pro Tag geben dürfte, um die Maßnahmen aufzuheben.
Annette Dönisch Korrespondentenbüro Berlin
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