• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
+++ Eilmeldung +++
Aktualisiert vor 28 Minuten.

Durchsuchungen auch in Niedersachsen
Bundesweite Razzia gegen Kinderpornografie

NWZonline.de Nachrichten Politik

Interview: Nicht über Nacht verschwunden

03.11.2020
Frage: Erst das islamistische Attentat auf einen Lehrer in Paris, dann die Enthauptungen in der Kirche in Nizza, jetzt die Schüsse auf den Priester in Lyon – erleben wir eine neue Welle von dschihadistischem Terror?

Neumann: Seit 2017 ist die dschihadistische Welle des IS drastisch zurückgegangen. Nachdem das sogenannte Kalifat zerstört worden war, ist dem IS die Infrastruktur verloren gegangen, und der Mythos wurde zerstört. Es gab in den vergangenen Jahren eine Art Sinnkrise in der dschihadistischen Szene. Die Ideen dahinter sind natürlich nicht über Nacht verschwunden. Es gibt noch jede Menge Unterstützer, nicht mehr die großen organisierten Anschläge wie in Paris oder Brüssel, sondern eher Einzeltäter, die inspiriert sind, auf eigene Faust mit einfachen Mitteln etwas zu machen. Auch in Deutschland haben die Sicherheitsbehörden Hunderte islamistischer Gefährder identifiziert. Solche Anschläge von Einzeltätern haben wir in Paris und Nizza gesehen, aber auch in Dresden. Wegen des Streits um die Mohammed-Karikaturen scheint Frankreich aber im Fokus zu stehen. Dort lädt sich die dschihadistische Strömung an diesem Konflikt wieder auf.

Frage: Wo liegen die Ursachen für die erneute Eskalation?

Neumann: Es hat vor zwei Monaten mit dem Prozess um die Charlie-Hebdo-Karikaturen begonnen. Da gab es eine breite Berichterstattung und große Aufmerksamkeit für das Thema. Dann folgten das Attentat in Paris mit der Enthauptung des Lehrers und der Anschlag von Nizza. Dazu kamen eine internationale Kampagne und die Boykottaufrufe gegen französische Produkte. Dadurch wurde die Aufregung weiter befeuert. Einige dschihadistische Gruppen haben sich hier drangehängt.

Frage: Der türkische Präsident Erdogan hat seinen französischen Amtskollegen wegen seines strikten Kurses gegen Islamisten attackiert. Hat Erdogan noch Öl ins Feuer gegossen?

Neumann: Ja, das hat er. Erdogan ist ein Populist. Sein politisches Kalkül ist es, dass es ihm bei seinen Anhängern nutzt, wenn er sich so an dieser Debatte beteiligt und seine Stellung in Teilen der muslimischen Welt erhöht. Er hat sich entschieden, die Temperatur nicht herunterzufahren, sondern noch zu erhöhen. Er sucht den Konflikt mit Macron und Frankreich und heizt ihn weiter an. Natürlich hat er nicht direkt zu Gewalttaten aufgerufen, aber zu einem politischen Klima beigetragen, das zu den Anschlägen geführt hat. Erdogan trägt eine indirekte Verantwortung für diese Konfrontation.

Frage: Die Täter in Paris und Nizza haben ihre Opfer enthauptet. Die Attentate in Nizza und Lyon fanden in einer Kirche statt. Bewusst gewählte Symbolik…

Neumann: Dafür gibt es zwei Erklärungen. Es gibt eine dschihadistisch theologische Erklärung: Die Enthauptung ist die Strafe dafür, wenn sich Menschen über den Propheten Mohammed lustig machen. Außerdem haben Anhänger des Dschihadismus im Laufe der Jahre gelernt, dass diese barbarische Art der Ermordung am meisten Panik und Einschüchterung auslöst. Es ist das Brutalste, was man sich vorstellen kann, und was für die meiste Aufmerksamkeit sorgt. Dieser Terror hat das Ziel, Angst und Schrecken auszulösen. Das gelingt am besten, wenn man jemanden auf sehr brutale und entwürdigende Art und Weise öffentlich hinrichtet.

Frage: Wie groß ist die Gefahr, dass es auch in Deutschland zu einer Serie solcher Anschläge kommt?

Neumann: Auch in Deutschland existiert die Gefahr nach wie vor. Es gibt in Deutschland immer noch mehr als 600 islamistische Gefährder. Viele davon sind in Haft und im Ausland. Dennoch sind immer noch mehr als 100 von ihnen auf freiem Fuß. Das sind laut Sicherheitsbehörden ideologisch radikalisierte Islamisten, die zu Gewalt bereit sind. Der Fokus liegt aktuell auf Frankreich.

Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2018
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.