An diesem Sonnabend ist der Tag des weißen Stockes. Erich Strodthoff ist selbst seit 13 Jahren blind und engagiert sich im Verband der Blinden und Sehbehinderten. Der 70-Jährige spricht über das Leben als Blinder.
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FRAGE:
Herr Strodthoff, der Tag des weißen Stockes soll auf das Thema der Blindheit aufmerksam machen. Fühlen Sie sich von der Öffentlichkeit unbeachtet?
STRODTHOFF
: Nein. Ich gehe gerne unter Menschen und werde von ihnen behandelt wie alle anderen auch. Die anderen sind sogar hilfsbereit und fragen mich zum Beispiel im Zug, ob ich sitzen möchte. Die anderen Reaktionen sehe ich ja nicht.
FRAGE:
Welche Missstände gibt es unter den Blinden?
STRODTHOFF
: Es zeigen sich wenig Blinde in der Öffentlichkeit. Viele trauen sich nicht mehr raus. Es sind ja auch überwiegend ältere Menschen blind. Da kommen zwei Faktoren zusammen: Sie sind alt und blind und haben oft ihr Selbstvertrauen verloren. Aber das müsste so nicht sein. Man kann zum Beispiel mit einem persönlichen Trainer ein Mobilitätstraining machen.
FRAGE:
Was ist die größte Schwierigkeit für Blinde?
STRODTHOFF
: Man muss lernen, seine anderen Sinne zu verfeinern. Wenn man das übt, hört man zwar nicht besser, aber man hört genauer hin. Genauso ist es mit dem Tastsinn. Man muss lernen, sich mit dem Stock den Weg zu ertasten. Wieder schwieriger wird es als Ortsfremder.
FRAGE:
Wie gut kommt man als Blinder vor allem als Ortsfremder in der Gemeinde Ganderkesee zurecht?
STRODTHOFF
: Gut. Beim Bahnhof gibt es jetzt Leitstreifen, die vom Zug zum Busbahnhof führen. Natürlich muss man dann trotzdem wissen, wo man hin will oder nach dem weiteren Weg fragen. Man muss ein Gefühl dafür entwickeln, wen man ansprechen kann.
FRAGE:
Woran hapert es noch in Ganderkesee?
STRODTHOFF
: Die Fußgängerampel an der Langen Straße und am Ring gibt bei Grün noch kein akustisches Signal. Aber das ist beantragt. Schwierig wird es, wenn die Bürgersteige mit Mülltonnen oder Werbeschildern verstellt werden.
FRAGE:
Wie sinnvoll ist Ihrer Meinung nach der Tag des weißen Stockes?
STRODTHOFF
: Das kommt darauf an, wie präsent die Blinden an dem Tag sind. Viele gehen ja nicht mehr raus. Man muss sich schon zeigen, um die Aufmerksamkeit zu bekommen. Zumal sich die Sehenden oft nicht trauen, die Blinden anzusprechen. @ Mehr zum Thema unter
http://www.NWZonline.de/tag-desweißen-stocks