Berlin - Die Bundesregierung hat eine positive Zwischenbilanz der im Mai 2015 beschlossenen Quote für den Anteil von Frauen in Führungspositionen gezogen. „Die Quote wirkt“, sagte Frauenministerin Manuela Schwesig (SPD) am Mittwoch nach der Behandlung des Themas im Kabinett. Justizminister Heiko Maas (SPD) sah „das Ende der patriarchalen Systeme in den Führungsebenen“ eingeläutet.

Den Ministerien zufolge hielten sich alle börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmen, die 2016 neue Aufsichtsratsposten zu besetzen hatten, an die Quote von 30 Prozent. Rund 70 Prozent der 362 betrachteten Firmen setzten sich Zielgrößen.

Allerdings sagte Schwesig im ARD-„Morgenmagazin“ auch: „Da, wo sich Unternehmen selbst die Zielvorgaben setzen können, sagen tatsächlich welche: null.“ Und weiter: „Die provozieren, dass wir uns in der nächsten Legislaturperiode dieses Gesetz noch mal vorknöpfen und sagen: Dann muss auch die harte Quote für diese Unternehmen gelten.“

In den Unternehmen und in der Gesellschaft habe es einen Kulturwandel gegeben, betonte Schwesig. Allerdings bewege sich auf der Vorstandsebene der Unternehmen noch zu wenig. Dort seien Frauen nach wie vor stark unterrepräsentiert. „Hier müssen wir auch über Nachbesserungen am Gesetz nachdenken.“

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries mahnte eine stärkere Förderung von Frauen an. „Seit Gerhard Schröders Kanzlerschaft hat die Wirtschaft immer wieder versprochen, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen“, sagte die SPD-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Passiert ist zu wenig.“

Die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Nadine Schön, sprach vom Erreichen eines Etappenziels. „Besonders bei der Besetzung der Vorstandsposten sind Frauen nach wie vor stark unterrepräsentiert und auch im öffentlichen Dienst ist die geschlechtergerechte Besetzung der Führungspositionen noch nicht erreicht.“

Die Initiative FidAR (Frauen in die Aufsichtsräte) mahnte ebenfalls, sich nicht vom Erfolg der Frauenquote blenden zu lassen. Die bislang wenig ehrgeizigen Ziele eines Teils der Unternehmen, ambitionierte individuelle Zielgrößen für mehr Frauen in Führungspositionen festzulegen, trübten die Bilanz, sagte FidAR-Präsidentin Monika Schulz-Strelow.

Das Gesetz für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Führungspositionen verpflichtet rund 100 Unternehmen seit Anfang 2016, bei Neubesetzungen im Aufsichtsrat sicherzustellen, dass mindestens 30 Prozent der Posten von Frauen besetzt werden. 3500 weitere Firmen müssen sich zumindest verbindliche Ziele für die Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen setzen. Für die wichtigeren Vorstandsposten gibt es keine Frauenquote.