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NWZonline.de Nachrichten Politik

Erdrosselt und zerstückelt

02.10.2019

Istanbul /Riad Jeden Morgen, wenn Hatice Cengiz aufwacht, gilt ihr erster Blick ihrem Telefon. Ihr Verlobter, der saudische Journalist Jamal Khashoggi, könnte anrufen, sei ihr erster Gedanke, sagt sie. So wie er es jeden Morgen gemacht hatte, als er noch lebte. Ein Jahr ist es nun her, dass Khashoggi im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul ermordet wurde. Cengiz trägt das Bild ihres Verlobten auf den Bildschirmen ihrer beiden Mobiltelefone. „Er ist noch immer ein großer Teil meines Lebens“, sagt sie.

Umstände ungeklärt

Cengiz wartete am 2. Oktober 2018 vor dem Konsulat auf Khashoggi, wo er Dokumente für die Hochzeit abholen wollte. Doch er kam nicht mehr heraus. Als Cengiz merkte, das was nicht stimmte, rief sie zuerst Yasin Aktay an, Politiker der in der Türkei regierenden AKP und ein Freund. „Es war ein ganz normaler Tag für mich, der immer mehr zu einem Albtraum wurde“, erinnert sich Aktay.

Der regierungskritische Journalist sei unterhaltsam und intelligent gewesen. Er habe die Demokratisierung der arabischen Welt zum Ziel gehabt, sagt Aktay. In der Zeit vor seinem Tod habe Khashoggi Heimweh empfunden und sei bekümmert gewesen, weil er nicht nach Saudi-Arabien zurückkehren konnte.

Khashoggi sei zwar regierungskritisch gewesen, aber persönlich gar keine große Bedrohung für Saudi-Arabien, sagt Cengiz. „Seit er getötet wurde, ist er ein viel größeres Symbol.“ Egal wohin Repräsentanten des saudischen Königshauses gingen, sie müssten sich der Frage nach Khashoggi stellen.

Was genau im Konsulat passierte, ist im juristischen Sinne ungeklärt. Sicher ist: ein saudisches Tötungskommando hat ihn umgebracht. Die Regierung in Riad räumte den Tod nach hohem internationalen Druck schließlich ein und stellte elf Männer vor Gericht – in einem Geheimprozess.

Die türkische Version: Der Mord war geplant, Khashoggi wurde erdrosselt, zerstückelt, die Leichenteile vernichtet. Die Türkei bezieht ihre Informationen unter anderem aus Tonaufnahmen aus dem Konsulat. Wie sie an diese gelangte, darüber schweigt sich Ankara aus. Präsident Recep Tayyip Erdogan ist sich sicher, der Mordauftrag sei aus „höchster Ebene“ der saudischen Regierung gekommen. International wird der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman als Drahtzieher verdächtigt. Das weist er zurück.

Rüstungsexporte

Deutschland stoppte als Reaktion auf den Mordfall Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien. Dafür hätte es aus Sicht der Grünen und der Linkspartei schon früher Grund gegeben: An der Spitze einer arabischen Militärallianz führt das Land im Jemen einen blutigen Krieg gegen die mit dem Erzfeind Iran verbündeten Huthi-Milizen.

Beim Stopp der Rüstungsexporte war es Deutschland nicht gelungen, wichtige Partner mit an Bord zu holen. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ließ erkennen, dass er aus strategischen Gründen lieber erst Einigkeit mit den EU-Partnern erreicht hätte. Frankreich und Großbritannien aber wollen das Rüstungsgeschäft mit Saudi-Arabien fortsetzen.

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