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NWZonline.de Nachrichten Politik

Götterdämmerung für Erdogan?

25.06.2019

Istanbul Am Morgen nach der Wahl grüßen sich viele Menschen in Istanbul mit einer Abwandlung von Ekrem Imamoglus Wahlslogan „alles wird gut“. „Alles ist gut geworden!“, rufen sie sich zu, beim Friseur, beim Bäcker, beim Gassigehen. Mit 54 Prozent hatten sie sich bei der Neuwahl ihres Bürgermeisters am Sonntag für den Oppositionsmann von der CHP entschieden – ein seltenes Ergebnis für einen Bürgermeister. Präsident Recep Tayyip Erdogan selbst war in den 90er Jahren einst mit nur 25 Prozent Zustimmung Bürgermeister von Istanbul geworden.

Er ist übrigens nicht mehr aufgetaucht nach seiner staatsmännischen Geste vom Vorabend: Kurz nach Veröffentlichung der Ergebnisse hatte er Imamoglu gratuliert. Am Montag bleibt sein täglich vom Palast in Ankara veröffentlichtes Programm leer.

„Götterdämmerung“ sagen manche schon. Schlimmer könne eine Blamage nicht ausfallen. In der größten Stadt der Türkei, Machtzentrum von Präsident Erdogan und seit Jahrzehnten regiert von islamisch-konservativen Bürgermeistern, ist ein unbekannter Oppositioneller Bürgermeister geworden – zwei Mal. Erdogan hatte sich vor der regulären Kommunalwahl am 31. März schwer in den Wahlkampf geworfen und damit das Schicksal der Wahl mit dem eigenen verbunden. Nach der Niederlage seines Kandidaten Binali Yildirim am 31. März hatte er Druck auf die Wahlbehörde ausgeübt und damit die Neuwahl erzwungen. Das Resultat war eine umso größere Bühne für Imamoglu und ein recht nützlicher Underdog-Status. Riskantes Spiel – vergeigt.

„Das war schon die größte Niederlage in Erdogans politischer Karriere“, sagt Michael Serkan Daventry, der als „James in Turkey“ einen vielbeachteten Blog schreibt. „Aber: Es ist noch nicht der Anfang vom Ende der Ära Erdogan.“ Zum einen habe Erdogan als Präsident noch vier Jahre im Amt, um die Dinge herumzureißen. Und dann sei der Niedergang der AKP auch keine Zwangsläufigkeit und schon gar nicht abhängig von nur einer Niederlage.

Es hat allerdings auch ein seltenes Pflänzlein gebraucht, um das möglich zu machen. Imamoglu ist ein eher ungewöhnlicher Kandidat der säkularen und manchmal etwas abgehoben wirkenden Mitte-Links-Partei – ein politischer Zwitter. Er ist gläubig, hat Wurzeln in der konservativen Schwarzmeergegend, und die Mutter trägt Kopftuch. Damit können auch AKPler etwas anfangen.

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