Oldenburg - Immer weniger Menschen sitzen in Oldenburg hinter Gittern. Im Gefängnis an der Cloppenburger Straße bleiben immer mehr Zellen unbelegt.
Trotz der Schließung des alten Gefängnisses (71 Haftplätze) an der Gerichtsstraße in diesem Frühjahr ist die Auslastung der Kreyenbrücker Anstalt von ehemals weit über 100 Prozent auf 75 Prozent geschrumpft. Aktuell sind 73 der 304 Haftplätze nicht belegt.
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Mit dieser Entwicklung liegt Oldenburg im landesweiten Trend. In ganz Niedersachsen sind die Gefangenenzahlen rückläufig. Nach Angaben von Alexander Wiemerslage, Sprecher des Justizministeriums, verfügt das Land über 6565 Haftplätze für Männer, Frauen und Jugendliche. Laut Statistik (Stand 31. Oktober 2013) kommen auf diese Plätze aber nur rund 5000 Gefangene. Dies entspricht einer Auslastung von 76 Prozent. Betrachtet man nur den Vollzug der Strafhaft für Männer (dazu zählt auch die JVA in Kreyenbrück) sind von 3600 Haftplätzen etwa 600 nicht belegt (Auslastung: 83 Prozent). Dabei ist zu bedenken, dass die durchschnittlichen Kosten je Hafttag im Vorjahr laut Ministerium 118,17 €Euro betrugen.
Experten erklären sich die bundesweit sinkende Zahl der Häftlinge mit der rückläufigen Kriminalität und der alternden Gesellschaft. Laut Kriminologe Christian Pfeiffer haben besonders jene Delikte abgenommen, die häufig zu einer Freiheitsstrafe führen (z.B. Tötungsdelikte).
„Eine große Rolle spielt der demografische Wandel“, berichtete Ministeriumssprecher Wiemerslage. Es bestehe aber auch ein Zusammenhang zwischen der Verbesserung der Arbeitslosigkeit und dem Kriminalitätsrückgang.
Mit der Abnahme der Gefangenenzahl hat die Oldenburger JVA seit Anfang des Jahres verstärkt zu tun. Ein Personalabbau sei kein Thema, erklärt Gefängnis-Chef Gerd Koop. „Unsere Arbeit hat sich ja nicht geändert. Weiterhin müssen wir auf allen Stationen Gefangene versorgen.“
Überdies habe man festgestellt, dass im Gegensatz zu früheren Jahren mehr problembelastete Gefangene einsitzen. „Die Zahl der psychisch Kranken ist bei uns massiv gestiegen. Am Personal können wir deshalb nicht sparen“, betont Koop.
Die aktuellen Entwicklungen haben allerdings dazu geführt, dass sich die Verantwortlichen Gedanken über Umstrukturierungen an der Cloppenburger Straße machen. Koop: „Mit dem Ziel, mehr therapeutische Maßnahmen anzubieten.“ Einzelheiten dazu könne er aber noch nicht nennen.
