Sedelsberg/Friesoythe - Hunde können Leben retten, Drogen aufspüren oder Blinde begleiten. Oft werden sie als „beste Freunde des Menschen“ betitelt. Doch wenn kein Vertrauen zwischen Mensch und Hund besteht, wird eine Zusammenarbeit schwierig. Zum internationalen Welthundetag an diesem Donnerstag, 10. Oktober, erklärt Anja Witting, die eine Hundeschule in Sedelsberg leitet, was bei der Hundeerziehung wichtig ist und warum jeder Hund eine Chance auf Vermittlung bekommen sollte.
Jeder Hund egal wie alt er ist, ist lernfähig, sagt die 44-jährige Friesoytherin. Trotzdem solle man mit der Erziehung des Hundes bereits im Welpenalter beginnen. „Was der Hund in der Prägephase lernt, verlernt er nie wieder“, sagt Witting, „sobald sie zehn Wochen alt sind, sollte man mit ihnen spielerisch anfangen. Je später sie kommen, desto schwerer wird es“.
Erziehung ist A und O
In der Hundeschule würden die Vierbeiner unter bestimmten Umständen lernen, auf ihren Halter zu hören. Das ist vor allem beim Spazierengehen mit dem Tier wichtig. „Wir erklären, wie der Hund aus weiter Entfernung Platz machen kann, auch wenn zum Beispiel ein Reh oder ein Auto als Ablenkung vorbeikommen“, sagt Witting. Kinder mit Hunden Spazieren gehen zu lassen, lehnt die 44-Jährige ab. Für beide Parteien sei das zu gefährlich. Dass der Hund lernt, andere Personen nicht anzuspringen oder, dass er, wenn er unangeleint läuft, wieder auf Ruf zum Halter zurückkommt, sei wichtig. In der Hundeschule könnten sich die Halter austauschen und die Hunde lernen, sich mit anderen Hunden zu vertragen. „Konsequenz bei der Erziehung ist das A und O“, sagt Witting, „nicht die Strenge oder den Hund anzubrüllen führt zum Erfolg. Man kann flüstern und der Hund versteht genau, wann es ernst wird. Selbst wenn man zu müde ist, muss man konsequent sein“. Auch Geduld spiele eine Rolle, denn Erziehung brauche Zeit.
Witting möchte, dass jeder Hund die Chance bekommt, ein Zuhause zu haben. Neben der Hundeschule betreibt sie eine Tierpension und eine Waisenstation. Schon lange setzt sie sich für Tierschutz ein und will auch Hunden aus dem Ausland eine Chance geben, vermittelt zu werden. „Ich arbeite mit ausgewählten Organisationen im Ausland zusammen und habe schon viele Hunde, unter anderem aus Spanien und Ungarn, vermittelt“, sagt Witting.
Warten auf Vermittlung
Derzeit habe sie vier Hunde bei sich, die aus dem Shelter Tuzla, einem Hundeasyl in Bosnien, kommen. 500 Hunde gebe es dort. Vor allem die Älteren hätten so gut wie keine Vermittlungschancen. Einer von ihnen ist Joschka. Der siebenjährige Schäferhund war ein Jahr im Shelter untergebracht. Oftmals hätten Leute Angst davor, dass die Hunde, die aus dem Ausland kommen, krank seien. „Die Hunde, die zu mir kamen, waren geimpft und kastriert und in keiner Weise krank“, sagt Witting. Zum Teil würden sie sogar in der Hundeschule trainiert.
Der Grund, dass sie Tiere aus dem Ausland vermittele: „Es stimmt nicht, dass Tierheime im Bezug auf Hunde keine Kapazitäten mehr haben“, sagt Witting. Oft würden Leute einen speziellen Hund suchen. Diesen würden sie dann oft von „Hundevermehrern“, die Hunde als Ware sehen, holen. Dabei sei die Rede nicht von Züchtern. „Warum sollte man nicht den Straßenhunden aus dem Ausland eine Chance geben?“, fragt sich die 44-Jährige. In vielen Ländern würde gegen Hunde brachial vorgegangen. „Wie soll ein Land, das nicht in der Lage ist, der eigenen Bevölkerung zu helfen, den Tieren helfen?“
