• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik

Jenninger-Karriere endet tragisch

08.06.2007

STUTTGART Es ist still geworden um Philipp Jenninger, der einst zu den Hoffnungsträgern der Union zählte und im Zentrum der Politik stand. Er galt als einer der ganz wichtigen Freunde von Helmut Kohl. Doch als es schwierig wurde für den Schwaben, habe Kohl Jenninger fallen gelassen, erinnert sich ein CDU-Mann an dessen Sturz. Heute lebt der Ex- Kanzleramtsminister und ehemalige Bundestagspräsident zurückgezogen in Stuttgart. Am Sonntag wird er 75 Jahre alt.

Don Philippo hieß sein Spitzname, als er noch zur so genannt Brigade Kohl gehörte, jener verschworenen Gemeinschaft, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, dem Pfälzer auf dem Weg nach oben Steine aus dem Weg zu räumen. Don Philippo zählte auch zu den schwergewichtigen Wanderfreunden des Pfälzers, die neben der Wanderung jedes Jahr eine Abmagerungskur in Bad Hofgastein machten. Jenninger wurde parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion und zeigte schon mal den Linken, wo der Barthelt den Most holte. So riss er in den 70er Jahren mal eine Grafik von Klaus Staeck von der Wand.

Als Kohl Kanzler wurde, war es beinahe natürlich, dass der Regierungschef seinen Vertrauten zum Kanzleramtsminister beförderte, und später – als Nachfolger des zurückgetretenen Rainer Barzel – auf den Stuhl des Bundestagspräsidenten. Dann passierte etwas, was zunächst als Skandal die Öffentlichkeit beherrschte. Jenninger hatte am 10. November 1988 im Gedenken an die Reichspogromnacht vor 50 Jahren eine Rede gehalten, die von vielen Abgeordneten und Journalisten als Eklat verstanden und verurteilt wurde. Das rednerische Unvermögen des CDU-Politikers führte zu Missverständnissen. Zitate von Tätern wurden nicht kenntlich gemacht und somit von einem Teil der Kritik Jenninger in die Schuhe gelegt. Teile des Vortrags wurden so verstanden, als spräche Jenninger im Jargon der Nazis. Das aber hatte er überhaupt nicht im Sinn. Jenninger stammt aus einem Elternhaus, das dem Zentrum nahe stand. Sein Vater war NS-Schikanen ausgesetzt, seine beiden Brüder fielen im Zweiten Weltkrieg.

Die Medien verurteilten Jenninger in scharfer Form: Er habe fast keinen historischen Fehler vermieden, Jenninger sei mit Knobelbechern durch die Geschichte marschiert und Rolf Hochhuth sprach gar vom „geistig wie seelisch minderbemittelten Präsidenten“. Auch die Weltpresse schlug zu.

Schon wenige Stunden nach der Rede wurde Jenningers Rücktritt gefordert Erstaunlich, so urteilt ein Unions-Mann noch heute, wie schnell die so genannt Jenninger-Freunde sich in die Büsche schlugen. Wolfgang Schäuble habe da genauso mitgespielt wie kurz darauf Helmut Kohl, der zunächst die Parole ausgegeben hatte, das durchzustehen. Frau Jenninger kämpfte für ihren Mann und sein Verbleiben im Amt. Vergeblich. Jenninger musste gehen.

Später stellten sich die Missverständnisse heraus. So hielt Ignaz Bubis eine Rede, in der er Passagen aus dem Text Jenningers wörtlich übernahm und damit klarstellte, dass Jenningers Vortrag inhaltlich ohne Mängel, sondern nur wenig überzeugend vorgetragen worden war.

Dass er Botschafter in Wien- die Stelle wurde extra heraufgesetzt- und später beim Vatikan in Rom wurde, konnte Philipp Jenninger kaum als Wiedergutmachung verstehen. Er war aufs politische Abstellgleis geraten, von dem es keine Rückkehr in die politische Arena mehr gab. Er zog sich zurück, versöhnt mit der Welt, aber sicher nicht ausgesöhnt.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.