Jever - Frauen dürfen nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern müssen weiter für ihre Rechte kämpfen: „Wenn wir uns nicht selbst für unsere Belange einsetzen – von den Männern bekommen wir nichts geschenkt!“ Almke Gerken, ehemalige Vorsitzende des Landfrauenverbands Weser-Ems, hat ihr ganzes Leben genau das getan: Sich für die Belange der Frauen im ländlichen Raum eingesetzt.
Frauenrechtlerinnen, die für ihr Wahlrecht auf die Straße gingen, gab es vor 100 Jahren nicht im Jeverland. „Aber es gab natürlich Frauen, die sich zusammengetan haben, um sich in der Männergesellschaft Gehör zu verschaffen“, sagt Historikerin Prof. Dr. Antje Sander. Linkes Klientel habe es damals im Jeverland kaum gegeben – „wir hatten hier liberal-konservatives Bürgertum“.
Wegen der großen Entfernungen auf dem Land, kaum vorhandenen Fahrwegen und weit verstreuten Höfen sei es immer schwierig gewesen für Frauen, sich zu organisieren. „Deshalb waren Vereine wie der Landfrauenverein so wichtig“, sagt Sander.
Zudem spielte damals und bis heute eine Rolle, ob sich Frauen leisten können, sich zu engagieren: „Es geht um die Abkömmlichkeit: Sind Beruf, Familie und Ehrenamt zu vereinbaren, verfügen Frauen über ausreichendes Einkommen und haben sie Unterstützung durch Kinderbetreuung und Hilfe im Haushalt?“
Mit 80 Jahren war sie die Älteste in der Runde „100 Jahre Frauenwahlrecht“, die der Kreislandfrauenverband organisiert hatte. Und Almke Gerken ist auch die, die in ihrem Leben am meisten für die Frauen erreicht hat: Die Landfrauen verstehen sich schon immer als überparteilich – doch politisch sind sie von Anfang an. Kinderbetreuung, Verbesserung der Lebens- und Wohnverhältnisse, Sozialversicherung für Bäuerinnen, Absicherung von Pflege und Rente, Dorfhelferinnen-Netz und Gründung von Hauswirtschaftsschulen – all das hat die Landfrauenbewegung erreicht. Und in der Regel haben sich die Frauen dabei gegen Männer durchsetzen müssen, die diese Themen entweder nicht interessiert haben oder die – etwa bei der Sozialversicherungspflicht für Frauen auf den Höfen – strikt dagegen waren.
„Man muss immer ein bisschen mehr tun als die Männer, um sich Anerkennung zu erkämpfen“, gab Almke Gerken ihre Erfahrung weiter. Immer wieder versuchten Männer, Frauen aus dem Weg zu schieben – „Stehvermögen, viel Diplomatie und eisernen Willen“ brauchen Frauen, um sich durchzusetzen.
Und das ist bis heute so, berichtete die SPD-Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller. Als jüngste in der Runde vermisst sie weibliche Präsenz in der Politik. Ihre Gegenmaßnahme: Präsenz zeigen. „Ich finde, dass Frauen zu lieb sind – um etwas zu erreichen, muss man unbequem sein“, sagte Möller.
Chancengleichheit, Lohngerechtigkeit, weibliche Solidarität – all das gelte es noch durchzusetzen, kam aus dem Publikum. Moderatorin Katharina Guleikoff bezog in der Diskussion auch die Zuhörerinnen ein. Aber „was fehlt, sind konkrete Ziele, für die es sich lohnt, auf die Straße zu gehen“, kritisierte eine Zuhörerin.
Für die Landfrauen in Friesland steht auf jeden Fall fest: „Der Kampf um Gleichberechtigung geht weiter“, betonte Ellen Kromminga-Jabben. Schon vor 100 Jahren brauchten Frauen Kraft und Ausdauer, um ihre Interessen durchzusetzen – das sei bis heute so. Und deshalb gilt bis heute auch noch der Leitspruch von Elisabet Boehm (1859 bis 1943), Begründerin der Landfrauenbewegung: „Zage nicht, zwinge. Klage nicht, klinge.“
