JEVER/SCHORTENS - Wird es in Schortens bald öffentliche Verabschiedungen von Soldaten des Objektschutzregiments in den Afghanistan-Einsatz geben? Schortens’ Bürgermeister Gerhard Böhling hat auf der Feier zum dreijährigen Bestehen des in Upjever stationierten Luftwaffen-Regiments „Friesland“ ein entsprechendes Angebot gemacht (die NWZ berichtete) – und hat dafür neben Zustimmung auch Kritik geerntet.
Der Kommandeur des Objektschutzregiments, Oberst Karl-Heinz Kubiak, wertete das Angebot als Zeichen der Anteilnahme. Die Linken in Friesland und Schortens sprechen von einem „Spektakel“ und kündigen Protest an.
„Der gefahrvolle Einsatz, den wir Soldaten leisten, sollte von der Öffentlichkeit immer als eine öffentliche Sache der gesamten Gesellschaft gesehen werden“, sagt Kubiak im NWZ -Interview.
Das Schortenser Ratsmitglied der Linken, Mike Schauderna, lehnt eine öffentliche Verabschiedung der Truppen in Schortens dagegen entschieden ab. „Bei dem Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan handelt es sich um einen Krieg – auch wenn die Regierung versucht, einen anderen Eindruck zu erwecken“, sagt Schauderna. Seiner Meinung nach sei eine Mehrheit der Bevölkerung gegen den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Der Einsatz der Bundeswehr habe die Steuerzahler bisher weit über zwei Milliarden Euro gekostet, ohne dass sich die Situation im Land gebessert habe. Das Geld müsse für den zivilen Wiederaufbau am Hindukusch eingesetzt werden.
„Mir ist klar, dass mein Vorschlag nicht allen gefällt“, sagt Böhling. Dennoch halte er an seinem Angebot fest – vorausgesetzt, die Ratsgremien stimmten zu. Als Ort für die Abschieds-Zeremonie, die bisher immer auf dem Fliegerhorst-Gelände stattfand, käme der Platz vor dem Bürgerhaus in Frage. „Ich denke, das ist ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber den Soldaten, die in Afghanistan ja nicht nur ihren militärischen Auftrag erfüllen, sondern sich auch sehr um gute Kontakte zur Bevölkerung und um zivile Hilfsprojekte kümmern“, so Böhling. Zudem verweist er darauf, dass öffentliche Abschiedszeremonien auch an anderen Bundeswehr-Standorten praktiziert würden.
Interview: Schortens, s.28
