Jever - Zwei Brüder im Großen Krieg: Legt man sonst Kränze am Grab des unbekannten Soldaten ab, haben fünf Studenten und Dr. Gunilla Budde, Professorin für Deutsche und Europäische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts der Uni Oldenburg, Soldaten ein Gesicht gegeben.
Beim Vortrag der Universitätsgesellschaft Oldenburg zum Ende des Ersten Weltkriegs im jeverschen Schloss wurde das Leben und Leiden im Krieg überdeutlich. Im Mittelpunkt: Die Brüder Ernst und Gerhard und ihre Briefe an ihre Mutter Elsbeth Budde.
Die Namensgleichheit ist nicht zufällig: Der Briefwechsel stammt aus der Familie von Gunilla Budde selbst und ist fast vollständig erhalten geblieben. Es geht um ihren Großvater und seinen Bruder
Beide Söhne zogen mit großer Begeisterung in den Krieg. Schon im ersten Jahr ist Ernst, der ältere, an der Ostfront gefallen, wie man beschönigend sagt. Was das in einer Familie auslöst, machte der Briefwechsel ganz konkret deutlich. So ließ die Mutter nichts unversucht, um ihren toten Sohn wenigstens in der Heimat bestatten zu können.
Beim jüngeren Sohn Gerhard schwächte der Tod des Bruders in keiner Weise die Kriegsbegeisterung. Er drängte geradezu danach, auch in den Krieg ziehen zu dürfen. Mit Hilfe eines Onkels gelang es der Familie wohl, ihn wenigstens zunächst von der Front fernzuhalten. Doch 1916 wurde auch er an die Ostfront verlegt und im selben Jahr schwer verletzt.
Damit war der Fronteinsatz für ihn vorbei, allerdings war ver auf einem Auge auch erblindet. Der damals knapp über 20-jährige Gerhard Budde sollte dann auch später noch den Zweiten Weltkrieg als Soldat durchleben müssen.
Ein besseres Plädoyer für ein friedliches Zusammenleben kann es kaum geben: Was diese beiden jungen Männer erleiden mussten, ist glücklicherweise späteren Generationen erspart geblieben. An dem Beispiel wird deutlich, dass es sich lohnt, für ein friedliches Zusammenleben der Völker zu kämpfen.
Eingeladen zu dem Vortrag hatte Jevers Bürgermeister Jan Edo Albers: Er ist seit kurzem zum Botschafter der Universitätsgesellschaft ernannt worden.
