JEVERLAND - Olaf Lies wird den Landkreis Friesland künftig in Hannover vertreten. Der SPD-Kandidat gewann am Sonntag nach einem spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen mit der CDU-Kandidatin Elisabeth Onken das Direktmandat. Der 41-jährige Diplom-Ingenieur aus Sande erhielt kreisweit 18 299 Stimmen (41,08 Prozent). Onken erhielt 16 961 Stimmen (38,07 Prozent).

Das Erste Wahllokal-Ergebnis im Jeverland kam am Sonntagabend aus der Waldschänke in Schoost in Schortens. Dort lag Elisabeth Onken vorne. Olaf Lies konnte kurze Zeit später in Sande und dort vor allem in Cäciliengroden deutlich punkten.

Dennoch stand ihm im Rathaus Sande beim Blick auf die ersten landesweiten Hochrechnungen die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. „Mit einem solchen Ergebnis habe ich nicht gerechnet“, kommentierte Lies die ernüchternde Prognose.

Um 18 Uhr hatte die erste Hochrechnung über das Wahlergebnis in Niedersachsen die CDU bei 40 und die SPD bei 30 Prozent gesehen. Nach diesen Hochrechnungen konnte sich die Linke große Hoffnungen auf einen Einzug ins Landesparlament machen – groß war im Kreishaus der Jubel, dass die Linke auf Anhieb die 5-Prozent-Hürde geschafft hat: „Ich bin glücklich und wahnsinnig stolz – das Ergebnis entspricht genau meinen Erwartungen“, sagte Landtagskandidatin Anja Kindo. Offensichtlich sei die Botschaft der Linken – mehr soziale Gerechtigkeit – bei den Wählern in Friesland angekommen. Im Endergebnis erreichte Kindo 6,23 Prozent und landete damit vor dem FDP-Kandidaten Lübbo Meppen (5,45 Prozent) und knapp hinter Uwe Burgenger von den Grünen (6,47 Prozent).

Ein langes Gesicht machte Ellmer Cramer, Landtagskandidat der Freien Wähler: Cramer blieb mit 1,31 Prozent ganz weit hinter den eigenen Erwartungen zurück. „Offenbar haben die Wähler uns Unabhängigen nicht zugetraut, im Landtag die neue Mitte zu repräsentieren und genau so gute Politik zu machen wie in den Kommunen“, meinte er. Selbst in „seiner“ Gemeinde Wangerland holte Cramer nur 104 Erststimmen.

Die geringe Wahlbeteiligung wertete Cramer als „schallende Ohrfeige“ für die etablierten Parteien: „Sie haben die Wähler scharenweise der Linken in die Arme getrieben.“ Im Wangerland lag die Wahlbeteiligung sogar knapp unter 50 Prozent, in Jever und Sande nur knapp darüber.

Auch wenn er selbst genau wie Kindo, Cramer und Uwe Burgenger („Ich nehme das sportlich“) den Schritt in den Landtag nicht geschafft hat, war FDP-Kandidat Lübbo Meppen zufrieden: „Die FDP konnte ihr gutes Ergebnis der letzten Landtagswahl halten – das ist ein toller Erfolg“, sagte er. Damit bleibe in der Landesregierung „alles wie es war“.

Der Wahlkampf im Jeverland war kurz und erstaunlich ruhig. Die SPD setzte auf das Thema Bildungspolitik und trieb mit ihrem Aktionsbündnis „IGS für Friesland“ die CDU lange vor sich her. Ob das die entscheidenden Stimmen gebracht hat, ist indes ungewiss.