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Kreistag Job ohne Langeweile und Routine

Landkreis - Eigentlich waren Abgeordnete und Besucher auf eine harmonische Kreistagssitzung im neuen Musiktrakt des Gymnasiums Wildeshausen eingestellt. Seit der Übernahme der Liegenschaft im Jahr 2009 hat der Kreis etwa 5,5 Millionen Euro in den Standort investiert; weitere 2,3 Mio. Euro sollen folgen. Dass dann doch Disharmonie aufkam, lag an einer Personalentscheidung.

Mehrheitlich entschied der Kreistag, nach knapp elf Jahren Dr. Ina-Maja Lemke-Hadick vom Amt der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises abzuberufen. Zum 1. November nimmt Nicole Kornetzki die Aufgabe mit 19,5 Wochenstunden wahr. Die FDP-Fraktion stimmte gegen den Vorschlag; die Vertreter der UWG/FWG-Gruppe und Ve­ruschka Schröder-Voigt (Linke) enthielten sich.

„Spannungsfeld“

FDP-Fraktionschef Ernst-August Bode sprach offen die Beziehung zwischen Lemke-Hadick und Landrat Frank Eger an. Er habe geglaubt, das sei „intern geregelt“ worden. Wenn nun die Gleichstellungsbeauftragte mit einer „halben Stelle“ arbeite, frage er sich, welche Bedeutung dem Amt noch zukomme. Lemke-Hadick hätte ihre Arbeit fortsetzen sollen. Bode bedauerte, dass bei kürzlich erfolgten Höhergruppierungen von Beschäftigten im Kreishaus keine Frauen profitiert hätten. Aus seiner Sicht hinterlasse die Personalie einen „schalen Geschmack“, so Bode. Er glaube nicht, dass „das Spannungsfeld in der Verwaltung abgebaut“ werde.

Susann Kügler (Grüne) lobte die überaus erfolgreiche Arbeit von Lemke-Hadick. Sie habe viele neue Projekte angestoßen, darunter das Mentoring-Programm für Frauen. Auch bisher sei die Gleichstellung mit 19,5-Stunden angesetzt gewesen. Franz Duin (SPD) meinte, der Vortrag Bodes „kratzt an den Persönlichkeitsrechten der Betroffenen“ und gehöre nicht in eine öffentliche Sitzung. Herwig Wöbse (CDU) sagte, seine Fraktion stimme der Umbesetzung zu. Dies führe zu einer „Entzerrung“ der vielen Aufgaben im Amt 19.

Im Namen des Kreistags dankte Vorsitzender Helmut Hinrichs (SPD) Lemke-Hadick für die geleistete Arbeit. Er sprach von einer Ära, die „über eine bloße Danksagung hinaus Respekt zollend gewürdigt“ werden müsse. Hinrichs nannte zahlreiche Beispiele, darunter den Stufenplan zur Gleichstellung oder diverse Modellprojekte.

„Ich habe das wirklich gern gemacht“, sagte Lemke-Hadick. In ihrem Job gebe es keine Langeweile und Routine. Immer wieder habe sie Anläufe genommen, um insbesondere den Anliegen der Frauen Gehör zu verschaffen: „Ich war unheimlich gern unbequem“, betonte die 47-Jährige. Sie habe freiwillig darum gebeten, „aus meiner geliebten Funktion“ entbunden zu werden, unter anderem, weil sie nicht weiter gegen Vorurteile kämpfen wolle. Ihre Vertreterin Kor­netzki habe bereits 2010 „alle Bereiche, die zu Interessen­konflikten führen könnten“, übernommen.

Eger rügt Debatte

Letztlich zollten alle mit langem Applaus Lemke-Hadick Respekt. Hinrichs und Bernhard Schwarting (CDU) überreichten Rosen. Landrat Eger nahm erst am Ende der Sitzung kurz Stellung. Es sei „nicht in Ordnung“ gewesen, wie mit einer Führungskraft umgegangen worden sei.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent
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