Oldenburg - Ameer Aburya hat super gehalten beim Fußballspiel auf der Dobbenwiese am Mittwochabend mit Teilnehmern aus 15 Nationen. Schließlich ist der 17-Jährige Torwart seiner Mannschaft in Sakhnin, in den Bergen Galiläas – aus Oldenburgs Partnerkreis Mateh Asher. 2004 ist Ameers Verein israelischer Pokalsieger geworden. Die passenden Fußballschuhe für das Match auf der Dobbenwiese haben seine Gasteltern bei Freunden für ihn geliehen.
Ameer ist einer von 700 Teilnehmern des großen UN-Planspiels „Oldenburg Model United Nations“ (Olmun). Vier Tage lang diskutieren die Jugendlichen aus aller Welt über akute globale Probleme, auf Englisch. Am Abend ist Zeit für Spaß und Party.
Beim Rathausempfang sagt Ameer auf Nachfrage der NWZ : „Ich möchte die Meinung von anderen Jugendlichen kennenlernen. Ich möchte mithelfen, dass sich etwas ändert in der Welt und Lösungen gefunden werden.“ Ameer ist Araber und Teil einer besonderen Reisegruppe: aus vier arabischen und vier jüdischen Israelis. Ermöglicht wurde das über Jörg Witte, Lehrer am Alten Gymnasium (AGO), der dort seit zehn Jahren den Austausch mit Israel pflegt.
So hat Witte Arik Gutler kennengelernt. Gutler ist Lehrer an der jüdischen AGO-Partnerschule Cabri Manor High School und Friedensaktivist. Anfang des Jahres hat er den ersten „Peace Club“ gegründet, mit Yosef Moubaki, Lehrer an der arabischen Sheik Danun School, auch in Mateh Asher. Das Ziel: vertrauensbildende Maßnahmen für Araber und Juden.
„Jüdische und arabische Schüler weigern sich, einander zu hassen. Unter diesem Motto steht der ,Peace Club’“, sagt Jörg Witte. „Der Kibbutz ist in Sichtweite der arabischen Schule, aber sie leben in unterschiedlichen Welten. Arik bringt sie zusammen. So fragen sie sich zum ersten Mal direkt: Wie steht ihr zu uns?“ Sie besuchen die Sperranlagen, diskutieren und verbringen ihre Zeit zusammen.
Arik Gutler sagt: „Meine Vision ist es, dass diese jungen Menschen irgendwann Verantwortung übernehmen und dann für alle denken, nicht für getrennte Seiten.“ Zur ,Olmun’ zu kommen, sei wichtig, um das große Ganze zu sehen, die internationale Perspektive. „Unsere Schüler lernen sich so auch viel besser kennen, sie sehen sich und mögen sich.“
Darum geht es auch dem arabischen Orientalisten und beliebten Englisch-Lehrer Yosef Moubaki: „Seit 40 Jahren ist das mein Anliegen: starke Brücken zwischen den Menschen im Mittleren Osten zu bauen. Ich möchte, dass wir zusammen in Frieden und Harmonie leben, ungeachtet der Hautfarbe, Sprache und Religion. Bevor ich ein Moslem bin, bin ich ein Mensch.“
Diese menschliche Seite pflegt auch die „Olmun“. Shira Rosa Raviv (16) von der „Cabri Manor High“ sagt: „Mein Eindruck ist, dass wir hier eine einheitliche Gruppe sind: Deutsche, Juden, Moslems, wir alle zusammen. Ich denke, dass wir in Kontakt bleiben.“ Franziska Rettig (15) vom AGO sagt: „Ich wollte Menschen aus anderen Ländern kennenlernen und wissen, wie die UN funktioniert. Das Besondere hier ist, zu sehen, dass die anderen so sind wie man selbst, auch wenn sie aus einer anderen Kultur kommen.“ So empfindet es auch Ameer in seiner arabisch-jüdischen Gruppe: „Wir sind hier Freunde und haben eine gute Beziehung miteinander. Wir geben ein Beispiel, wie man den Konflikt in Israel beenden könnte.“
