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NWZonline.de Nachrichten Politik

Judenhass von heute ist offener und schamloser

17.09.2020
Frage: 70 Jahre Zentralrat der Juden. Wegen der Corona-Pandemie wurde der Festakt jetzt nachgeholt. 1950, fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und nach dem Holocaust hätte niemand damit gerechnet, dass das jüdische Leben in Deutschland wieder so vielfältig ist, oder?

Knobloch: Mit Sicherheit nicht. Die vorherrschende Ansicht war damals, dass jüdisches Leben in Deutschland überhaupt keine Zukunft haben könne, an einen Neuaufbau dachte niemand – auch ich nicht. Und doch entstand zusammen mit einer stabilen Demokratie auch wieder eine jüdische Gemeinschaft, deren Mitglieder hier eine Heimat fanden. Das dauerte sehr lange, und gerade heute fragen viele sich angesichts der jüngsten Vorfälle wieder, wie willkommen sie in dieser Heimat wirklich sind. Aber dennoch: Jüdisches Leben in Deutschland ist heute so umfangreich und vielfältig wie nie zuvor seit 1945.

Frage: Wie steht es heute um das jüdische Leben und die Gemeinschaft in Deutschland?

Knobloch: Bis vor etwa zehn Jahren wuchsen in ganz Deutschland neue Synagogen und Gemeindezentren im Takt mit dem Vertrauen jüdischer Menschen in ihre Zukunft hierzulande. Heute gibt es viele Gemeinden, deren Mitglieder sich nicht mehr trauen, sich in öffentlichen Verkehrsmitteln als jüdisch zu erkennen zu geben. Das ist kein Grund für eine Auswanderung, aber es zeigt deutlich, dass die Dinge sich in eine gefährliche Richtung entwickeln. Ich denke da besonders auch an die junge Generation.

Frage: Heute erleben wir eine neue Welle des Antisemitismus hierzulande. Wie nehmen Sie diese Entwicklung wahr?

Knobloch: Der Judenhass von heute – und ich benutze bewusst dieses Wort – ist breiter, offener und schamloser. In Politik und Gesellschaft wird heute deutlicher ausgesprochen, was manche Menschen sich vor zehn oder 20 Jahren vielleicht nur gedacht haben. Das Internet hat hier einen erheblichen Anteil, die Corona-Proteste zeigen das deutlich. Was dort an Hass und Halb- oder Unwahrheiten kursiert, hat in der AfD zudem einen politischen Arm in allen Parlamenten. Viel von dem Vertrauen, das über Jahrzehnte aufgebaut wurde, wird so in kurzer Zeit wieder zerstört.

Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
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