Cloppenburg - Dem Wandel aktiv begegnen: Diese Devise hat Cloppenburgs Landrat Johann Wimberg (CDU) bei der von Manfred Karsten (Bremen) moderierten Veranstaltung „Demografiestrategie für den Landkreis Cloppenburg – Ergebnisse und Ausblick auf 2030“ am Dienstagabend im Kreishaus an der Eschstraße ausgegeben. Vor 150 Teilnehmern kündigte Wimberg wegen des weiter erwarteten Bevölkerungswachstums einen „Cloppenburger Weg“ an.

Details enthält, so der Landrat, ein Ende April vorliegendes Strategiepapier, das fortgeschrieben werde. Es basiere auf den Ergebnissen von mehr als 20 Workshops und vier Arbeitsgruppen, die mit EU-Mitteln gefördert wurden. Expertenrat holten sich die Verantwortlichen von der Bürogemeinschaft Forum und Plan-Werkstatt (Bremen).

Die Teilnehmer der Treffen hatten festgestellt, dass sich die Situation im Kreis Cloppenburg, in dem laut Statistik 16,7 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre alt und 15,9 Prozent über 65 Jahre alt sind, dynamisch verändert. Das bedeutet: Die sich durch den Zuzug von Ausländern seit 2011 zunehmend bunt gestaltende Bevölkerung wächst langsamer, und nicht überall gleich. Erwartet werden mehr Einwohner zwischen 60 und 69 Jahren, aber weniger Kinder.

Die Ergebnisse der Analysen und Prognosen stellten die Bremer Berater Klaus-Martin Hesse und Heike Woltmann vor. So sei ein Grund für den sich abzeichnenden Trend, dass es sich bei den Menschen, die dem Landkreis Cloppenburg den Rücken zukehrten, oft um junge Erwachsene handele. Daher müsse sich der Kreis Cloppenburg in Zukunft altengerechter (Beispiel: ärztliche Versorgung), chancenreicher (Beispiel: berufliche Entwicklung), integrativer (Beispiel: ausländische Mitbürger) und lebenswerter (Beispiel: bezahlbarer Wohnraum) aufstellen. Auch die Bedeutung des Ehrenamtes wachse.

Anschließend beschäftigten sich drei Podiumsrunden mit den Themen Wohnraum, Perspektiven für junge Menschen sowie Dörfer und Ortszentren für Jung und Alt. Breiten Raum nahm dabei die bei steigenden Baukosten kaum zu befriedigende Nachfrage nach preiswertem Wohnraum für jedes Alter ein.

Großer Bedarf herrscht hierbei laut Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese (CDU) im Stadtgebiet Cloppenburg sowie im Südkreis. Er forderte etwa „Alternativen für Einfamilienhausgrundstücke“. Zudem, so Fachleute vom Landkreis, der Wohnungsbaugesellschaft Cloppenburg sowie eines regionalen Planungs- und Architekturbüros, sei auf kleinen Flächen zukünftig mehr zu machen. Zudem sei zu beachten, dass durch Neubauten auch Altbauwohnungen frei werden. Diese würden oft preiswerter angeboten.

Um junge Menschen im Landkreis zu halten, gilt es, Perspektiven im Anschluss an eine Ausbildung zu bieten. So lasse sich dem Fachkräftemangel begegnen. Für die Kreishandwerkerschaft Cloppenburg monierte deren Hauptgeschäftsführer Dr. Michael Hoffschroer einen „seit Jahren auffälligen Bewerberrückgang“. Im Sommer könnten – Branchen und Betriebsgrößen übergreifend – erstmals nur die Hälfte der Lehrstellen besetzt werden.

Um ein derartiges Ungleichgewicht zu beeinflussen, geht die Gemeinde Lastrup eigene Wege. Bürgermeister Michael Kramer (CDU) stellte ein Modell vor, bei dem sich potenzielle Lehrlinge, deren Eltern sowie örtliche Arbeitgeber kurzschließen.

Das letzte Podium beschäftigte sich mit der Förderung des Zusammenlebens von Jung und Alt in Dörfern und Ortszentren. Zu den Hauptfaktoren zählen, so Löningens Bürgermeister Marcus Willen (CDU), Andreas Wegmann (Projekt „Unser Dorf hat Zukunft“ und Klaus Ludden (Landkreis Emsland), Verbesserungen der Infrastruktur, die Förderung Ehrenamtlicher sowie die Einrichtung von generationenübergreifenden Begegnungsorten.