Verteidigungsminister Franz-Josef Jung tut gut daran, nach dem tödlichen Anschlag die Truppe in Afghanistan zu besuchen. Wenn schon nicht die Kanzlerin, dann wenigstens der Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt, der dort ein Zeichen setzt. Die deutschen Soldaten, die in Kunduz immer mehr ins Fadenkreuz der Taliban geraten, brauchen mehr denn je Rückendeckung und Unterstützung.

Von Tag zu Tag verschlechtert sich die Sicherheitslage im Krisengebiet dramatisch. Immer mehr Sprengfallen, häufiger Raketenbeschuss, und eine größere Zahl von Selbstmordattentätern – in Afghanistan tobt ein handfester Krieg. Dabei geht es darum, ob der mühsame Aufbau- und Friedensprozess weiter fortgesetzt werden kann oder wieder die Schreckensherrschaft der Terroristen zurückkehrt und damit Gewalt, Unterdrückung und Zerstörung.

Der Deutsche Bundeswehrverband schlägt einmal mehr Alarm, wirft der Bundesregierung Verschleierung und Verharmlosung vor. Von einem Krieg will Verteidigungsminister Jung noch immer nichts wissen. Und die Bundeswehr spricht nicht von Gefallenen, sondern geht mit den Berichten von deutschen Opfern um, als handele es sich hier um Unfalltote. Der Vorsitzende des Verbandes, Bernhard Gertz, hat dafür drastischere Worte gefunden, als er sagte: „Wir befinden uns in einem Krieg gegen einen zu allem entschlossenen, fanatischen Gegner.“

Die Bundesregierung sollte sich endlich ehrlich machen und nicht länger so tun, als unterscheide sich dieser Einsatz nicht von anderen der Truppe im Ausland. Gut, dass der Bundeswehrverband auf diese Problematik aufmerksam macht und Änderungen fordert. Doch mehr noch wäre dies Aufgabe des Bundestages und des Wehrbeauftragten. Schließlich ist die Bundeswehr eine Parlamentsarmee.

Nicht nur die Öffentlichkeit, vor allem auch die Truppe und die Soldaten, die im Einsatz ihr Leben riskieren, verdienen mehr Klarheit.

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