Hannover - Der Niedersächsische Landtag steht vor einem Generationswechsel. Und: Der politische Nachwuchs drängt mit Macht ins Leineschloss. Das macht sich vor allem in der SPD-Fraktion bemerkbar. Bereits im Vorjahr wechselten acht Abgeordnete, darunter Ex-Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (Northeim), in den Bundestag. Nun haben mit SPD-Fraktionschefin Johanne Modder (Bunde), Landtagspräsidentin Gabriele Andretta (Göttingen) und -vizepräsident Matthias Möhle (Peine) weitere Spitzenpolitiker ihren Rückzug angekündigt. Der SPD-Parteinachwuchs, die Jungsozialisten (Jusos), wittert seine Chance.
„Die Aufstellungskonferenzen starten. Wir haben viele Kandidierende unter 35 Jahren“, sagt Ronja Laemmerhirt (21), die gemeinsam mit Besian Krasniq (25) den Juso-Landesverband führt.
Einer der „Jungen Wilden“ ist Thore Güldner (26) aus Aschenstedt, der für die SPD das Direktmandat im Wahlkreis Oldenburg-Land verteidigen soll.
CDU-Hochburg kippen
Krasniq möchte am 9. Oktober den Wahlkreis 73 Bersenbrück (Kreis Osnabrück) erobern. Ein ehrgeizige Ziel des 25-Jährigen, der in Bremen Politikwissenschaft studiert. Der Kreis gilt als CDU-Hochburg und wird derzeit vom CDU-Justizexperten Christian Calderone im Landtag vertreten. Das schreckt Krasniq nicht ab. Er hat bereits die SPD-Ortsvereine Bersenbrück und Gehrde zusammengeführt. Er wolle die Menschen in der Region mitnehmen und deren Probleme anpacken. Menschen mit Migrationshintergrund sollten in der Politik sichtbarer werden.
Laemmerhirt, die im Kreis Diepholz politisch aktiv ist, peilt kein Landtagsmandat an. Sie will erst ihr Studium beenden.
Forderungskatalog
Zum Jahreswechsel haben die Jusos einen Forderungskatalog in die Gremien eingebracht. Einige Ziele: Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs, bessere Finanzierung der Hochschulen und mehr bezahlbarer Wohnraum. Scharfe Kritik üben sie an CDU-Wirtschaftsminister Bernd Althusmann, der es bislang nicht geschafft habe, ein preiswerte Azubi-Ticket einzuführen, sowie an CDU-Finanzminister Reinhold Hilbers, der das Sondervermögen des Landes nicht für wichtige Zukunftsinvestitionen nutze.
Beim SPD-Parteikongress im Mai sollen die Thesen diskutiert werden. Dann wollen die Jusos auch mindestens eine Vertreterin unter den Top 10 der Landesliste platzieren. Mit Ministerpräsident Stephan Weil als SPD-Spitzenkandidaten können sie „sehr gut leben“, sagt Laemmerhirt. In einem Punkt wissen sie sich mit ihm einig: Eine Neuauflage der Groko soll es nicht geben. Schon jetzt geben die Jusos Pressemitteilungen mit der Grünen Jugend heraus.
