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NWZonline.de Nachrichten Politik

Abschuss von Wölfen wird einfacher

22.05.2019

Berlin (dpa) - Wölfe sollen künftig leichter abgeschossen werden können, wenn sie Schafe und andere Nutztiere reißen. Von einer gemeinsamen Linie im Umgang mit den Raubtieren ist die große Koalition aber auch nach dem Kabinettsbeschluss noch weit entfernt.

Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) teilte mit, dass es aus ihrer Sicht erlaubt sein sollte, die streng geschützten Raubtiere auch vorbeugend zu schießen - und nicht nur als Reaktion nach Attacken auf Weidetiere. Das gibt der Gesetzentwurf von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) aber nicht her.

Nach monatelangem Streit hatten die Ministerinnen sich trotzdem auf einen Gesetzentwurf geeinigt. Der politische Druck vor allem in Ost- und Norddeutschland ist gewaltig, das Thema spielt auch im Wahlkampf eine große Rolle. Zuletzt hatte das Kanzleramt vermittelt.

Klöckner setzt darauf, dass der Gesetzentwurf im Bundestag noch in ihrem Sinn geändert wird, denn am Ende müssen die Abgeordneten entscheiden. Die Union schickte am Mittwoch eine klare Ansage Richtung Umweltministerium: Es führe kein Weg vorbei an einer "Regulierung" der Zahl der Wölfe, sagte Fraktionsvize Gitta Connemann, die Schaffung "wolfsfreier Zonen" bleibe auf der
Tagesordnung, sagte ihr Amtskollege Georg Nüßlein.

Konkret sollen Schulzes Pläne einen Abschuss von Wölfen auch dann ermöglichen, wenn unklar ist, welches Tier genau zum Beispiel die Schafherde angegriffen hat. Es können demnach so lange Wölfe in der Gegend geschossen werden, bis es keine Attacken mehr gibt - auch wenn dafür ein ganzes Rudel getötet wird. Die Behörden der Länder müssen aber jeden Abschuss wieder einzeln genehmigen.

Künftig sollen außerdem schon "ernste" Schäden für die Abwehr ausreichen, bisher ist im Gesetz von "erheblichen" Schäden die Rede. Das soll es auch Hobbyschäfern ermöglichen, eine Entschädigung zu bekommen, wenn Wölfe zuschlagen. Das Füttern und Anlocken von Wölfen soll verboten werden, damit sie sich nicht an Menschen gewöhnen. Mischlinge aus Wolf und Hund, sogenannte Hybriden, sollen geschossen werden. Dabei sollen die Jäger "nach Möglichkeit" einbezogen werden.

Seit der Jahrtausendwende breiten sich Wölfe in Deutschland aus, nachdem sie lange ausgerottet waren. 2017/2018 ergab das Monitoring der Behörden 75 Rudel, 30 Paare und drei Einzeltiere. Wie viele Wölfe das sind, ist schwer zu sagen, da die Rudelgröße schwankt, es sterben viele Welpen. Das Umweltministerium spricht von drei bis acht Wölfen pro Rudel, der Naturschutzbund Nabu von acht. Damit käme man auf 600 bis 700 Tiere. Die meisten leben in Ost- und Norddeutschland. Das laufende Monitoring-Jahr ist nicht abgeschlossen.

Je mehr Wölfe sich die Wölfe ausbreiteten, desto öfter kam es zu Schäden an Nutztieren. Laut der Statistik für das Jahr 2017, die in diesem Jahr veröffentlicht wurde, gab es insgesamt 472 Angriffe auf 1667 Weide- und Gehegetiere, davon 1366 Schafe. Der Bundesverband der Berufsschäfer begrüßte die geplanten neuen Regeln. "Das wird den Abschuss von Problemwölfen deutlich nach vorne bringen", sagte Vorsitzende Günther Czerkus der Deutschen Presse-Agentur. Die Politik schöpfe aus, was rechtlich derzeit möglich sei.

Einen bestätigten Angriff eines Wolfs auf einen Menschen in Deutschland gab es seit der Rückkehr der Tiere nicht. Der sogenannte Problemwolf "Kurti" oder "MT6" in Niedersachsen wurde abgeschossen, weil er sich Menschen näherte - das war 2016. Einen zweiten Fall gab es in Sachsen 2018, dort sollte ein Wolf zwei Hunde getötet und sich Grundstücken genähert haben. Obwohl die Wahrscheinlichkeit sehr klein ist, auf einen Wolf zu treffen, haben viele Menschen Angst davor.

Die Meinungen gehen auseinander, wie die Balance zwischen Artenschutz und Sicherheit gehalten werden soll. Bauernverband, Jäger und andere fordern ein aktives "Wolfsmanagement" und Regionen, die frei von Wölfen gehalten werden sollen.

Dagegen ist man aus Sicht von Umweltministerium und Naturschützern noch weit von einem guten Erhaltungszustand der Art entfernt, der weitere Lockerungen der Abschuss-Regeln rechtfertigen könnte. Verbänden wie BUND, Nabu und WWF geht der Regierungsvorschlag deswegen zu weit, sie fordern stattdessen mehr Engagement beim Herdenschutz und mehr Unterstützung für die Halter von Weidetieren.

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