Bad Zwischenahn - Knapp 300 Bürger waren gekommen, um die Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl in Bad Zwischenahn im Forum des Schulzentrums zu verfolgen. NWZ-Redakteur Markus Minten moderierte das Rededuell zwischen Amtsinhaber Dr. Arno Schilling (SPD) und dem von der FDP unterstützen CDU-Kandidaten Christian Wandscher.

Die Themen waren breitgefächert: So standen die Kandidaten Rede und Antwort zum weiteren Vorgehen beim ehemaligen Bundeswehrkrankenhaus, zur Entwicklung der Wirtschaft und des Verkehrs, zum Schulwesen, zum Wohnungsbau und zu Angeboten für die Jugend. Schilling verwies mehrmals auf die Erfolge während seiner Amtszeit, Wandscher auf seine zunächst bis zum Bad-Jubiläum 2019 terminierte Handlungsliste.   Bundeswehrkrankenhaus: Der Fahrplan für die weitere Verwendung des Bundeswehrgeländes in Rostrup sei abgesteckt, so Schilling. Eine Entscheidung über eine Bauleitplanung soll in den öffentlichen Fachausschusssitzungen am 2. und 24. Juni vorbereitet werden. Im Konjunktiv musste der Bürgermeister bei einer gemeindlichen Nutzung bleiben, sollte diese nach einer möglichen Rückgabe des Geländes (die Frist läuft am 30. Juni dieses Jahres aus) wieder zur Debatte stehen. Die Kommune habe dann das Zugriffsrecht und solle es auch wahrnehmen, sagte Schilling. Dabei sei aber wirtschaftliches Handeln gefragt: „Ein Kauf müsste sich vollständig aus dem Gelände finanzieren.“

Auch Wandscher sprach sich dafür aus, dem Eckwertepapier zu folgen. Privates Wohnen sehe er dort problematisch. Eine touristische Nutzung müsse vor allem auf Familien mit Kindern zielen. Sollte der Käufer des Geländes, die Palais am Meer, von der Rückgabemöglichkeit Gebrauch machen, votierte auch Wandscher für einen Kauf durch die Gemeinde.   Wohnen: Der Wohnungsmarkt sei ein privater Markt, und als solcher schwer zu regulieren, betonte der CDU-Kandidat. Eine Alternative sieht er etwa für junge Leute, die finanziell noch nicht so gut gestellt sind, in frei werdenden älteren Wohnungen. Man finde auch im Hauptort bezahlbare Wohnungen, sagte Schilling. Allerdings sei bei einem Neubau eine Miete von 8,50 Euro auch wirtschaftlich nötig. Über kommunale Haushalte sei ein sozialer Wohnungsbau nicht möglich.  Bildung: Ebenso war eine mögliche IGS (Integrierte Gesamtschule) in Bad Zwischenahn Thema. Die Voraussetzungen für eine eingehende Befragung der Eltern (und Lehrerschaft) dafür fehlten noch, so Schilling. Nach Auskunft aus Hannover seien diese auch erst im August 2015 gegeben. Dann sei eine intensive Information und Befragung vonnöten. Neben Gymnasien, so Schilling, sei nur eine weitere Schulform sinnvoll. Auch Wandscher will Lehrerschaft und Eltern zu diesem Thema befragen.  Angebote an Jugendliche: Was sich die Kandidaten vorgenommen haben, um ein attraktiveres Angebot für Jugendliche zu schaffen, wollte die 17-jährige Maximiliane Koch von den Kandidaten wissen. „Bad Zwischenahn habe viele attraktive Angebote“, so Wandscher. „Nur seien diese vielleicht nicht bekannt genug.“ Dennoch sehe er noch Möglichkeiten für weitere Freizeitangebote. Schilling verwies auf eine Umfrage in den Jugendforen der Gemeinde. Der zufolge seien die Jugendlichen sehr zufrieden mit den Angeboten. „Ich glaube, wir haben hier eine gute Situation.“ Außerdem solle man die klassischen Sportarten als Freizeitangebot nicht aus dem Blick verlieren. Einigkeit deshalb auch in dem Punkt: „Wir sind eine familienfreundliche Gemeinde.“  Verkehr: Wer von den Kandidaten dafür sorgen wolle, dass der Kurort zumindest an Wochenenden und Feiertagen frei von Motorrädern bleibe, wollte NWZ-Leser Eberhard Pompe wissen. Ein Verbot von Motorrädern sehe er kritisch, bekannte Wandscher. Eine Regulierung des Last- und Lieferverkehrs tagsüber im Ortskern sei für ihn aber viel wichtiger. „Ein Verbot der Motorräder ist keine Lösung“, meinte auch der Amtsinhaber. Zwar gebe es immer wieder Beschwerden, aber man habe sich in den 1990er Jahren gegen ein Verbot entschieden und fahre nicht schlecht damit. Hans-Jürgen Hubert wollte wissen, ob und wie die Kandidaten die Situation an der Einmündung der Straße Am Hogen Hagen in die Oldenburger Straße entschärfen wollen. Dort staue sich der Verkehr gerade an Wochenenden. Währen beide eine Ampel als „nicht die richtige Lösung“ ansahen (Schilling: „Die Oldenburger Straße ist eine Entlastungsstraße, auf der wir keinen Stau provozieren wollen“), regte Wandscher eine neue Ausschilderung an, die Verkehrsteilnehmer auf die anderen Möglichkeiten hinweist, aus dem Ortskern zu kommen. Die Eyhauser Allee könnte Entlastung bringen.   Gemeindentwicklung: Einen Schwerpunkt sieht SPD-Mann Schilling in der gesundheitstouristischen Entwicklung: „Da haben wir beste Rahmenbedingungen.“ Ziel sei es, die Kurbetriebsgesellschaft für die Zukunft fit zu machen. „Wir sind kein angestaubter Kurort.“ Auch wenn die Hauptzielgruppe bei den über Sechzigjährigen liege. Wandscher hat darüber hinaus aber auch das junge Publikum im Blick, auch wenn das „ganz einfach nicht ist“. Bis zum Jubiläum 2019 könne die Attraktivität des Ortes generationenübergreifend weiter ausgebaut werden. Schilling räumte „Defizite in der Straßeninfrastruktur“ ein, die es anzupacken gelte. Bei den Finanzen gilt laut Wandscher: „Bisher ist sehr vorsichtig und gut mit dem vorhandenen Geld umgegangen worden. Das wird sich auch unter einem neuen Bürgermeister nicht ändern.“

Neubürgerin Rita Ahring brachte mit ihrer Frage dann nach fast zwei Stunden das auf den Punkt, was – der Applaus zeigte es – viele Gäste wohl ebenso empfanden: „Worin unterscheiden Sie beide sich eigentlich?“ Die einzige Frage, auf die beide keine wirkliche Antwort hatten.