Herr Althusmann, kann die Union nun mit Armin Laschet als Kanzlerkandidat die Bundestagswahl abschreiben?

AlthusmannNein, ganz im Gegenteil. Jetzt beginnt der Wahlkampf ja endlich richtig, und ich glaube, in den nächsten Monaten wird die Union zeigen, dass sie kampfeslustig und kampfeswillig ist. Es gibt keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken.

Seit mehr als vier Jahren CDU-Landeschef

Bernd Althusmann (54) ist gebürtiger Oldenburger und seit mehr als vier Jahren CDU-Landesvorsitzender in Niedersachsen. Im CDU-Bundesvorstand stimmte er für Armin Laschet. Althusmann ist zudem seit 2017 Landeswirtschaftsminister.

Wenn Markus Söder der „Kandidat der Herzen“ ist, wie CSU-Generalsekretär Blume sagt. Was ist dann Laschet?

AlthusmannArmin Laschet ist ein kluger, abwägender Kandidat, den ich sehr schätze. Er kann die Partei, aber auch die Breite der Gesellschaft zusammenbinden und zusammenhalten und die Erneuerung Deutschlands einleiten. Er regiert erfolgreich das größte Bundesland. Man sollte ihn keinesfalls unterschätzen. Er wird jetzt Entscheidungswillen zeigen, ein gutes Team aufbauen und mit Leidenschaft kämpfen. In Nordrhein-Westfalen hat er gezeigt, dass er auf den letzten Metern manche Wahl zu Gunsten der Union drehen kann.

Was wollen Sie tun, um die Parteibasis in Niedersachsen zu überzeugen?

AlthusmannWir werden erklären, dass es wenig hilfreich ist, die Partei als Scherbenhaufen zu hinterlassen. Wir kitten jetzt, was zu kitten ist. Es wird viele Gespräche mit den Kreisverbänden geben, auch eine weitere Online-Konferenz. Und es folgt natürlich eine Einladung an Armin Laschet, nach Niedersachsen zu kommen. Übrigens: Auch der CDU-Bundesvorstand gehört zur Basis. Ich traue mir schon zu, zu spüren, was an der Parteibasis los ist. Das habe ich sehr ernsthaft an Armin Laschet nicht nur in den letzten Tagen zurück gespiegelt.

Rechnen Sie damit, dass dem Kandidaten aus Bayern oder anderen Landesverbänden Knüppel zwischen die Beine geworfen werden?

AlthusmannDie Union ist klug beraten, sich jetzt nicht gegenseitig in Vorwürfen zu ergehen. Die Geschlossenheit hat uns immer stark gemacht. Das ist keine Worthülse. Wir müssen uns jetzt anstrengen und die Ärmel aufkrempeln.

Werden Sie auch dem Team um Laschet angehören?

AlthusmannIch kämpfe in Niedersachsen für Niedersachsen. Armin Laschet ist völlig frei bei der personellen Besetzung seines Wahlkampfteams. Ich denke, darüber wird er in den nächsten Wochen entscheiden.

Wird es eine Koalitionsaussage geben?

AlthusmannNein, ich denke nicht. Wir sind grundsätzlich mit den demokratischen Parteien koalitionsfähig, nicht aber mit rechten oder linken Populisten. Mit FDP, Grünen und SPD hat es bereits Koalitionen auf Bundes- oder Landesebene gegeben, die mehr oder weniger erfolgreich waren. Warten wir die Wahl mal ab. weniger erfolgreich waren.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent