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Porträt von Frederik Willem de Klerk Der Mann im Schatten Mandelas

Benjamin Dürr

Kapstadt - Er wurde Verräter genannt und mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet: Frederik Willem de Klerk personifiziert wie wenig andere Südafrikaner die Spannungen zwischen der Ideologie der Rassentrennung und der Freiheit in Südafrika. De Klerk war der letzte Präsident des Apartheid-Systems, doch sein Name ist im Vergleich zu dem seines Partners und Gegenspielers Nelson Mandela verblasst. Nun ist er im Alter von 85 Jahren an Krebs gestorben, wie seine Stiftung am Donnerstag mitteilte.

Ambivalente Haltung zur Apartheid

Bis zuletzt behielt de Klerk eine ambivalente Haltung zur Apartheid: Im vergangenen Jahr bestritt er in einem Interview mit dem südafrikanischen Rundfunk SABC, dass sie ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit sei, wie es in einer UN-Konvention definiert ist. Zugleich erklärte de Klerk, dass die in Südafrika lange herrschende Trennung nach Hautfarben falsch war. Manche Beobachter nehmen ihm die Reue nicht ab und meinen, de Klerk habe nur gehandelt, weil Südafrika weltpolitisch isoliert war und wirtschaftlich am Abgrund stand.

De Klerk, ein unter seinen Initialen „FW“ bekannter weißer Nationalist, wurde am 18. März 1936 in Johannesburg geboren. Er war Sohn eines Ministers und Neffe des Ministerpräsidenten Hans Strijdom, die beide das System der Apartheid mit aufgebaut hatten. Mit dem Denken in Rassen und Klassen wuchs er auf.

Nach seinem Jurastudium wurde de Klerk Parlamentsabgeordneter und übernahm später verschiedene Ministerämter. Im Jahr 1989 wurde er zum Vorsitzenden der National Party, nachdem sein Vorgänger Pieter Willem Botha wegen einer Erkrankung abgetreten war. Nur kurze Zeit später wurde er zum Präsidenten gewählt. Er beschleunigte den von Botha begonnenen Umbau des Apartheid-Systems in solch rasendem Tempo, dass er viele Parteikollegen verlor.

Staatsfeind Nr. 1 aus Gefängnis geholt

Im Februar 1990 trat er überraschend vor das Parlament und kündigte an, politische Gefangene wie Mandela, dem Staatsfeind Nr. 1, aus dem Gefängnis zu holen. Zugleich hob er das Verbot für Mandelas Bewegung, den Afrikanischen National-Kongress (ANC), auf und schaffte die entscheidenden Gesetze zur Trennung nach Hautfarben ab. Im Parlament wurde er als Verräter beschimpft. In den Vierteln der Schwarzen verlor sein Regime bei Straßenkämpfen die Macht.

Gleichzeitig verhandelte de Klerk mit Mandela über einen Termin für die ersten freien Wahlen, die 1994 abgehalten wurden. Bereits 1993 wurden die beiden Männer für ihren Beitrag zur Überwindung der Apartheid mit dem Friedensnobelpreis geehrt. De Klerk hat als einer der wenigen Staatschefs sein eigenes Regierungssystem abgeschafft. Für manche Südafrikaner ging er damit zu weit. Nationalisten warfen ihm vor, das Land verraten zu haben. Für die anderen ging er nicht weit genug. Sie vermissten eine deutliche Entschuldigung und eine klare Distanzierung von der Geschichte –bis zuletzt.

Zurückgezogen in Kapstadt

In den vergangenen Jahren lebte de Klerk weitgehend zurückgezogen in Kapstadt. Im Frühjahr war bei ihm eine Form von Lungenkrebs festgestellt worden.

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