Die Spitzenmanager des Volkswagen-Konzerns treten üblicherweise eher zurückhaltend auf. Protzerei ist nicht ihre Sache. Aber am Freitag sprudelte es aus dem Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn und Kollegen nur so heraus: Man drängt unverhohlen an die Weltspitze – am bisherigen Branchenprimus Toyota vorbei. Die kommende Aufnahme von Porsche in den Konzern sorgt für neues Selbstbewusstsein.
Tatsächlich hat Niedersachsens größtes Unternehmen offenbar alles richtig gemacht, vor allem: Globalisierung der Märkte und Diversifizierung der Modellpalette. Man hat (fast) für jeden potenziellen Kaufinteressenten ein passendes Auto. Die Wolfsburger sind deshalb auch nicht so heftig von der weltweiten Krise betroffen wie die meisten Konkurrenten. Der Marktanteil von Volkswagen wächst schon deshalb, weil der Absatz langsamer schrumpft als der der Wettbewerber. Und im nächsten Aufschwung dürfte es besonders elanvoll voran gehen.
VW kann sich nun voll und ganz auf das operative Geschäft konzentrieren. Die Aufstellung des Konzerns „steht“ nach den langen Rangeleien um Porsche endlich. Man bekommt mit Katar einen weiteren soliden Großinvestor neben Niedersachsen und den Familien Porsche/Piëch. An dem Einstieg der Araber ist nichts auszusetzen.
Neue Zeiten brechen an. Die Familien Porsche und Piëch werden nicht mehr – wie bisher – über ihre Porsche-Holding SE die Mehrheit an VW halten. Weil Katar bei „SE“ einsteigt, sinkt ihr Einfluss entsprechend. Bei Porsche muss man sich nun erstmals von einem externen Investor hineinreden lassen. Später wird die „SE“ dann ohnehin mit Volkswagen verschmolzen.
Damit wäre Ferdinand Pïech, der im Poker um VW und Porsche die Fäden zog, endgültig am Ziel: Porsche und VW sind, wie es sich aus Piëchs Sicht gehört, wieder unter einem Dach. Hinzu kommt eine bunte Familie von neun Marken – vom Kleinwagen bis zum Schwerlastwagen. Vielleicht kommen noch kleine Arrondierungen hinzu (Karmann?). Ansonsten aber gilt: VW hat sich gut aufgestellt. Die Rekordjagd auf Toyota kann beginnen.
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