Braunschweig - Terrorangst auch in Deutschland: Der größte Karnevalsumzug des Nordens in Braunschweig ist am Sonntag kurz vor dem Start wegen Hinweisen auf einen möglichen Terrorakt abgesagt worden. Aus „zuverlässigen Staatsschutzquellen“ sei bekanntgeworden, dass „eine konkrete Gefährdung durch einen Anschlag mit islamistischen Hintergrund“ vorliege, erklärte die Polizei.

Ein Polizeisprecher sagte in Braunschweig, die Hinweise seien aus Ermittlungen des Staatsschutzes hervorgegangen. „Es handelte sich nicht um eine SMS oder einen Drohanruf.“ Die Informationen würden von einem Zeugen stammen, den die Ermittler kennen würden und einschätzen könnten, sagte Braunschweigs Polizeichef Michael Pientka. Die Informationen hätten zum Handeln gezwungen. Unklar sei zunächst, auf welche konkrete Art ein Anschlag verübt werden sollte.

Zum Braunschweiger Karneval hatten die Veranstalter am Sonntag bis zu 250 000 Besucher erwartet. In diesem Jahr sollten 4500 Teilnehmer aktiv dabei sein. Rund 100 Motivwagen standen zum Start bereit.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius bezeichnete die Absage des Karnevalsumzugs in Braunschweig als massiven aber leider absolut notwendigen Schritt. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte der NWZ : „Es tut mir leid für die Karnevalisten. Aber Sicherheit hat Vorrang“.

Braunschweigs evangelischer Landesbischof Christoph Meyns rief zur Besonnenheit auf. „Die Wut und der Ärger über die Absage des Karnevalsumzuges dürfen keine Gründe für fremdenfeindliche Hetze sein“, sagte er am Sonntag. Er plädiert für ein weiter friedliches Miteinander der Religionen.