KINSHASA -

Redaktion Berlin

KINSHASA - Offene Kritik aus der Truppe – so etwas war Franz Josef Jung bisher nicht gewohnt. Deutliche Worte musste sich der Verteidigungsminister jetzt im Bundeswehr-Lager am Flughafen N'Dolo im Kongo anhören: Weil sie kein geeignetes Schuhwerk für den Einsatz in Afrika erhalten hätten, berichteten mehrere Soldaten des Vorauskommandos im Feldlager, hätten sie sich selbst für 110 Euro entsprechendes Schuhwerk gekauft.

Keine tauglichen Sonnenbrillen, zunächst vorgesehene, aber rechtzeitig ausgetauschte Winterschlafsäcke trotz sengender Hitze und Temperaturen von um die 40 Grad und zu wenig leichte Tropenanzüge. Statt wegen der extremen Hitze sechs Anzüge – wie gewünscht –, hätten die Soldaten jeweils nur vier erhalten. Zusätzliche Anzüge seien nicht genehmigt worden, hieß es. Schwere Ausrüstungsmängel, die bereits länger bekannt waren.

Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Reinhold Robbe, hatte zuletzt nach einem Truppenbesuch mehrfach auf die Ausrüstungsmängel der Kongo-Einsatzkräfte hingewiesen. Verteidigungsminister Franz Josef Jung hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. In einer Sitzung des Verteidigungsausschusses sollen nach Angaben von Teilnehmern Wehrexperten von Union und SPD heftige Kritik an Robbe geübt und ihm Zurückhaltung empfohlen haben.

780 deutsche Soldaten sollen in einer auf vier Monate begrenzten EU-Mission den Ablauf der Wahlen am 30. Juli in Kinshasa absichern. Verteidigungsexperten der Opposition forderten gestern Verteidigungsminister Jung auf, rasche Konsequenzen aus den Meldungen über mangelnde Ausrüstung zu ziehen.

„Das sollte und dürfte nicht sein“, erklärte Grünen-Verteidigungsexperte Winfried Nachtwei. „Die Ausrüstung muss stimmen.“ Die Mängel müssten unverzüglich beseitigt werden. Spätestens bis zum 18. Juli, wenn das deutsche Kontingent im Kongo vollständig sein soll, gelte es, die Ausrüstung zu verbessern, sagte er.

Der Kommandeur der europäischen Kongo-Mission, General Karlheinz Viereck, hatte erst kürzlich versichert, dass die Bundeswehr über das notwendige Gerät verfüge, um den Einsatz erledigen zu können.

Unterdessen äußerte sich Verteidigungsminister Franz Joseph Jung (CDU) beim Besuch im Kongo optimistisch über einen guten Verlauf der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen. Er sei „sehr zuversichtlich“, sagte Jung nach einem einstündigen Gespräch mit Präsident Joseph Kabila in Kinshasa.