KIRCHHATTEN - Wortreich verteidigte Gerd Andres, seit 1987 Bundestagsabgeordneter und seit 1998 parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, am Montagabend im Saal des Hotels „Zum Deutschen Hause“ in Kirchhatten vor mehr als 50 Zuhörern die bereits unter der rot-grünen Bundesregierung eingeleiteten Reformen im Bereich der sozialen Sicherung, des Arbeitsmarktes und der Steuerpolitik. Der heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Holger Ortel hatte den Kollegen aus dem Wahlkreis Hannover eingeladen.
Der Maschinenschlosser und spätere Gewerkschaftssekretär Andres, der mit Ortel nicht nur den Geburtsjahrgang 1951, sondern auch die Wurzeln in der Arbeiterschaft gemeinsam hat, musste sich manche kritische Fragen gefallen lassen. Trotzdem verteidigte er die Große Koalition, welche den Bürgern soziale Fortschritte bringe und Gutes für das Land leisten könne. Sie dürfe jedoch nicht hinter ihren Möglichkeiten bleiben. Die SPD werde weiter selbstbewusst ihre Positionen vertreten.
Die Steuerreform habe nicht nur, wie von Kritikern vorgeworfen, den Unternehmern Geschenke beschert, sondern auch die Arbeitnehmer, besonders in den unteren Einkommensbereichen entlastet. Wichtiger als die Frage des Spitzensteuersatzes sei es, Steuerprivilegien abzuschaffen. Die Änderungen im Sozialgesetzbuch, vielen als „Hartz-Reform“ bekannt, habe die ehemaligen Sozialhilfeempfänger besser gestellt.
Eine längere Zahlung von Arbeitslosengeld für Ältere bringe keine höhere Beschäftigungsquote, erklärte Andres. Auf die Vorhaltung, dass nach einer einjährigen „Nullrunde“ die Renten im Juli um gerade einmal 0,54 Prozent erhöht wurden, konterte er mit der Antwort, immerhin sei es mathematisch ein Plus und verweis auf die Koppelung an die Nettolohn-Entwicklung der Arbeitnehmer. Natürlich verteidigte er auch die schrittweise Erhöhung des Rentenalters. Den Kombilohn bezeichnete er als Mittel, schwer vermittelbare Arbeitslose in Beschäftigung zu bringen. Kritik übte er mit Blick auf die Globalisierung am „kleinstaatlichen“ Bildungssystem in Deutschland. Mit von der Partie waren auf dem Podium auch Landrat Frank Eger und der SPD-Landtagskandidat Axel Brammer.
