Kirchhatten - Ein klares Nein ist aus dem Rathaus zu vernehmen. Die Ablehnung betrifft aber nicht irgendein kommunales Projekt, sondern eine gesamtgesellschaftliches Thema: Gewalt gegen Frauen. Darüber soll gesprochen werden. Daher ist dazu noch bis zum 25. November, dem internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, im Rathaus der Gemeinde Hatten eine Fotoausstellung zu sehen.
Stephan Behrens aus Sandkrug ist Initiator dieser Dokumentation. Er musste im Freundeskreis miterleben, wie sich das Leben einer guten Freundin nach einem Discobesuch für immer veränderte. Ihr waren K.o.-Tropfen ins Getränk gemischt worden, dann wurde sie vergewaltigt. „Sie war verändert und auch alle angebotenen Hilfen und Maßnahmen konnten nicht dafür sorgen, dass sie in ein normales Leben zurückkehrt“, berichtete er. Der Täter war bekannt, blieb aber straffrei.
Behrens nahm sich daraufhin vor, das Thema in den Blickpunkt zu rücken. Er gründete im Januar 2016 die Gruppe „say no to rape“ bei Facebook, die schnell wuchs. Es reifte zudem die Idee einer Ausstellung unter diesem Titel. Fotograf Roland Nappe aus Rastede nahm dann seit Januar in mehr als 200 Stunden rund 1000 Bilder auf. 35 Freiwillige, alle aus der Region, haben dabei mitgemacht. Pascal Lieleg, ein Kommunikationsdesign-Student an der Kunstschule Wandsbek in Bremen, unterstützte das Team bei der Gestaltung der Fotoleinwände.
Die Ergebnisse des Shootings stellte Behrens Hattens Bürgermeister Christian Pundt und der Gleichstellungsbeauftragten Caroline Stroot vor. Beide waren sofort bereit, die Ausstellung zu unterstützen. „Unsere Gemeinde ist offen für so ein Thema“, meinte Pundt.
Und auch Stroot sieht ihre eigene Arbeit damit unterstützt. „Mit den Fotos und Informationen wollen wir zum Hinsehen aufrufen, denn es sind erschreckend viele Frauen von verschiedenen Formen von Gewalt betroffen“, sagte sie. „Der Termin der Ausstellung wurde jetzt so gewählt, dass sie bis zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen dauert.“ Begleitend zu der Ausstellung gibt es Flyer zum Gedenktag und Infos über Hilfemöglichkeiten für Betroffene.
Hatten soll übrigens nur der Anfang sein. Wenn es nach den Initiatoren geht, soll „say no to rape“ anschließend als Wanderausstellung auch an anderen Orten zu sehen sein.
Anlässlich des Gedenktages am 25. November zeigt der Arbeitskreis „Häusliche Gewalt“ des Landkreises Oldenburg im LiLi-Servicekino Wildeshausen um 18 Uhr den Spielfilm „Die Ungehorsame“. Der Eintritt ist frei.
