Hannover/Berlin - Sie kämpfen mit der Fünf-Prozent-Hürde und könnten doch die Bundestagswahl entscheiden. Die Kleinparteien versuchen mit populären Themen, den etablierten Parteien Stimmen abzujagen. Die Alternative für Deutschland (AfD) nutzt die Griechenland-Krise für ihren Anti-Euro-Kurs. Die Piraten, die für Freiheit im Internet stehen, wollen von den Spionageaffären profitieren. Die Freien Wähler versuchen, mit kommunalen Themen wie der Privatisierung der Wasserversorgung zu punkten. Eins haben die Kleinen gemeinsam: Sie buhlen um die Protestwähler – und machen sich dabei selbst Konkurrenz.
Vielleicht muss man auch Die Linke zu den kleinen Parteien rechnen. Die ist zwar im Bundestag etabliert und im Osten teilweise stark. Den Westen hat sie dafür nahezu aufgegeben. Seit die Linken aus dem Landtag in Hannover geflogen sind, hört man in Niedersachsen kaum noch etwas von der Partei.
Auch die Piraten fischen eher im linken Spektrum nach Wählerstimmen. Ihr Höhenflug scheint jedoch beendet. Sieben Jahre nach der Gründung hat die Netzpartei rund 32 000 Mitglieder und sitzt in vier Landtagen. Doch spätestens seit der Pleite bei der Niedersachsen-Wahl sind die Piraten wieder auf dem harten Boden der Kleinparteien angekommen. Was wohl auch mit der mangelnden politischen Kultur zu tun hat. Fast kein Parteitag der Piraten geht ohne endlose Debatten über die Geschäftsordnung, Verfahrensfehler und Anfechtung von Wahlen ab. Zudem fehlt eine bundesweite Galionsfigur. Die Hoffnungen ruhen auf der neuen politischen Geschäftsführerin Katharina Nocun aus Niedersachsen.
Während es um die Piraten stiller geworden ist, trommelt die AfD lautstark für ihr Kernthema: den Kampf gegen den Euro. Weil viele die AfD am rechten Rand des bürgerlichen Spektrums verorten, führt das zu teilweise gewalttätigen Protesten. Parteichef Bernd Lucke wurde bei einem Auftritt in Bremen von Protestlern angegriffen. In Göttingen legte sich auch die Grüne Jugend mit der AfD an.
Den Freien Wählern mit ihrem umtriebigen Parteichef Hubert Aiwanger, die früher schon Protestwähler an die Piraten verloren haben, könnte das Auftreten der AfD noch mehr schaden. Denn die Alternative ist noch eurokritischer. Aiwanger warnte deshalb vor „Rattenfängern“. Auch sonst fliegen zwischen den drei Kleinparteien häufiger die Fetzen. Was auch am Personalaustausch liegen könnte. Einige „Berufsquerulanten“ ziehen einfach weiter, wenn sie in einer Protestpartei gescheitert sind.
Am Ende dürfte wohl einzig der Wiedereinzug der Linken in den Bundestag sicher sein. Die AfD steht immerhin derzeit in den Umfragen bei vier Prozent und könnte für eine Überraschung sorgen. Die Piraten werden es wohl nicht schaffen. Die Freien Wähler auch kaum, es sei denn, ein Erfolg bei der Landtagswahl im Stammland Bayern gibt ihnen einen ungeahnten Schub.
