KLEINENSIEL/HANNOVER - Die Sicherheitskultur im Kernkraftwerk Unterweser müsse dringend verbessert werden. Dies sei für sie die klare Erkenntnis, die aus der Antwort des Niedersächsischen Umweltministeriums auf ihre parlamentarische Anfrage hervorgehe, machen die Grünen-Landtagsabgeordneten Ina Korter, Andreas Meihsies und Stefan Wenzel deutlich.
Sie hatten sich nach der im Juli bekannt gewordenen Entdeckung der bereits vor einem Jahr vorgenommenen fehlerhaften Einstellung im Not- und Nachkühlsystem des KKU-Reaktors mit einem umfangreichen Fragenkatalog an Umweltminister Hans-Heinrich Sander gewandt und Aufklärung gefordert. Dessen 16-seitige Antwort liegt nunmehr vor.
„Unser Eindruck, dass es schlecht um die Sicherheitskultur im KKU steht, hat sich bestätigt“, sagt die stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Fraktion, Ina Korter. „Insbesondere der Bereich Mensch-Technik-Organisation muss überprüft werden, weil das korrekte und abgestimmte Arbeitsverhalten von erheblicher Bedeutung für die Sicherheit der Anlage ist.“ Die falsche Ventileinstellung sei vom Personal des KKU vorgenommen worden, eine Überprüfung durch behördliche Sachverständige habe nicht stattgefunden.
Deshalb habe das Niedersächsische Umweltministerium die Kontrollmechanismen in der Revision verschärft, sowohl Art und Umfang der Kontrolle durch den Betreiber als auch durch die Aufsichtsbehörde.
Fehleranalyse und Untersuchungen seien zum Zeitpunkt der Antwort durch das Umweltministerium noch nicht abgeschlossen gewesen. „Die endgültige Auswertung und die Konsequenzen für die Sicherheit der Anlage müssen der Öffentlichkeit unverzüglich vorgestellt werden“, fordert Ina Korter, denn inzwischen sei die Revision 2007 abgeschlossen und die Anlage wieder angefahren worden. Ein Tag der offenen Tür reiche dafür nicht aus.
Auf besonderes Interesse stieß bei Ina Korter auch die Antwort des Umweltministeriums auf die Frage nach den Kosten. Umweltminister Sander hatte im Sommer dieses Jahres behauptet, im KKU sei „mehr als das Doppelte der Baukosten in die Sicherheit investiert worden.“ Tatsächlich habe die Errichtung etwa 610 Millionen Euro gekostet, rund 500 Millionen Euro seien bisher in sicherheitstechnische Nachrüstungen investiert worden. Dass zu den Nachrüstungen in die Sicherheit auch die Errichtung des Zwischenlagers rechnet, registriert Ina Korter mit Verwunderung.
