Gehlenberg - Es ist ein kleiner, nahezu unscheinbarer Weg. Doch für viele Gehlenberger ist der von großer Bedeutung. Die Rede ist vom Fuß- und Radweg, der die Schützenstraße mit der Raiffeisenstraße verbindet. „Diesen Weg gab es schon immer. Er dient seit Jahrzehnten den Bewohnern der Rosenstraße und der Schützenstraße als kürzeste und sicherste Verbindung zur Ortsmitte und wird vor allem von den Kindern auf dem Weg zum Kindergarten oder zur Schule genutzt“, sagt Hermann Hüninghake im Gespräch mit der NWZ . Gemeinsam mit Ehefrau Elfriede und der Familie Markus und Monika Willner sorgt es sich jetzt aber um die Zukunft des Weges. Die Stadt Friesoythe möchte einen Teil der Fläche nämlich an drei Anlieger verkaufen.

Als sie vom geplanten Verkauf erfuhren, waren sie doch sehr erstaunt. „Keiner von uns ist gefragt worden. Das kann doch nicht sein“, beschwert sich Monika Willner. Also starteten sie aus Protest eine Unterschriftenaktion. 120 Anwohner – das seien 90 Prozent der betroffenen Anlieger und Nutzer – sprachen sich auf diesem Wege für den Erhalt der öffentlichen Verkehrsfläche aus. Die Unterschriftenliste wurde vor den Sommerferien über Ortsvorsteher Hans Meyer an die Stadtverwaltung übergeben. „Wir baten darum, aufgrund des eindeutigen Votums gegen den Verkauf den Beschluss zu überdenken“, sagt Hüninghake, der in unmittelbarer Nähe zum Radweg wohnt. Doch wie die beiden Gehlenberger Familien erfahren haben, soll sich die CDU-Mehrheitsfraktion im Verwaltungsausschuss bei der ersten Sitzung nach der Sommerpause für den Verkauf ausgesprochen haben.

„Wir fragen uns jetzt, ob das Votum von 90 Prozent der betroffenen Anlieger und Nutzer nichts zählt und nur die privaten Interessen von drei Anliegern bei der Stadt Berücksichtigung finden“, so Hüninghake. Zudem habe es bislang seitens der Stadt keinerlei Reaktion auf die Unterschriftenaktion gegeben. „Das hat einen faden Beigeschmack“, findet der Gehlenberger.

Die Stadt Friesoythe teilt in Person von Erstem Stadtrat Dirk Vorlauf auf Anfrage der NWZ  zum Sachverhalt folgendes mit: „Der Weg ist entbehrlich, weil andere Verbindungen vorhanden sind und soll daher verkauft werden.“ Ansonsten seien nach der niedersächsischen Kommunalverfassung Grundstücksangelegenheiten nichtöffentlich zu beraten. Doch ganz wird die Öffentlichkeit nicht außen vor gelassen. Vorlauf: „Bevor die Grundstücke tatsächlich verkauft werden, muss der Bebauungsplan geändert werden. In diesem Verfahren erfolgt eine umfangreiche Information und Bürgerbeteiligung.“

Carsten Bickschlag
Carsten Bickschlag Redaktion Münsterland (Leitung Cloppenburg/Friesoythe)