KöLN - Beim Bau der Kölner U-Bahn ist in noch größerem Ausmaß gepfuscht worden als bisher bekannt: Weitere Bauprotokolle für zwei unterirdische Baustellen sollen manipuliert worden sein, teilten die Staatsanwaltschaft und die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), Bauherrin des Milliarden-Projekts, am Freitag mit. Damit betrifft der Vorwurf von Schlamperei und kriminellen Machenschaften nun schon fünf der acht neuentstehenden Bahnhöfe der Nord-Süd-Stadtbahn. Unterdessen sucht der unter Druck geratene federführende Baukonzern Bilfinger Berger laut „Financial Times“ bereits einen Nachfolger für Vorstandschef Herbert Bodner.

Die Staatsanwaltschaft weitete ihre Ermittlungen aus. Ermittelt wird derzeit gegen ein Dutzend Verdächtigte, auch Beschäftigte von Bilfinger Berger. Es wurden auch Büros anderer Baufirmen untersucht. Die Vorwürfe sollen sich nicht nur auf Bauvorhaben in Köln beziehen, sondern auch auf die ICE-Strecke München-Nürnberg.

Der Wirtschaftskriminalist Uwe Dolata meinte, der Kölner Fall sei ein Beleg für die immer drastischeren Auswirkungen von Korruption. „Einsturzgefahren, bröckelnder Beton, gesperrte Brücken – all das sind Folgen von Schmiergeld und Kungelei“, sagte der Würzburger Fachmann für Korruption. Die Baubranche sei besonders anfällig für Korruption. „Da ist viel Geld unterwegs und die öffentliche Hand sehr häufig der Auftraggeber.“ Unternehmen wie Bilfinger Berger gehe es vor allem um eines: „Aufträge heranklotzen um jeden Preis.“