KöLN - Krisensitzungen, Lage-Besprechungen, Hektik und wachsende Sorge: Der Kölner U-Bahnbau als geplantes Vorzeigeprojekt wird nach einer Flut von Berichten und Spekulationen über gravierende Fehler, Pfusch, Pannen und Betrug an mehreren Baustellen zum Debakel.

Vorstand und Aufsichtsrat der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) als Bauherren sehen sich ein Jahr nach dem Einsturz des Stadtarchivs Vorwürfen ausgesetzt, verweisen aber auf die ausführenden Bauunternehmen. Das Drama beschäftigt bereits ein Heer von Experten – und hält auch die Staatsanwaltschaft auf Trab, es gibt bereits zwölf Verdächtige.

Experten haben aktuell vor allem bei einer Baustelle in der Altstadt Bauchschmerzen. Am Kölner Heumarkt könnte die Grube instabil werden, wenn der Rheinpegel wegen des befürchteten Hochwassers auf vier Meter und mehr steigt. Am Wochenende könnte er laut Prognosen auf bis zu acht Meter klettern.

Bei einer Krisensitzung am Dienstag versprach die KVB als zusätzliche Sicherungsvorkehrung für die verpfuschte Baugrube: Bis spätestens Ende der Woche sollen Stahlverstärkungen stehen, die die unterirdischen Wände stabiler machen. Die Stadt will keine Panik aufkommen lassen. Nach umfassenden Prüfungen seit Weiberfastnacht stellt Stadtdirektor Guido Kahlen klar: „Die Bauwerke sind sicher.“ Zugleich meint aber ein Sprecher: „Ich scheue mich zu sagen, es gibt keinen akuten Handlungsbedarf. Das in diesem Fall zu sagen, ist wirklich schwierig.“

Der federführende Baukonzern Bilfinger Berger hat unterdessen drei Mitarbeiter suspendiert. Ein Unternehmenssprecher bestätigte, dass ein Polier und zwei Bauleiter freigestellt wurden, die für die Arbeiten an einer nun als gefährdet eingestuften Baugrube in der Kölner Innenstadt zuständig waren. Zugleich betonte der Sprecher aber, es handele sich ausdrücklich nicht um die „Führungsriege“ des Unternehmens.

Als gesichert gilt inzwischen, dass an drei Baustellen der Nord-Süd-Bahn die vereinbarten Sicherheitsvorkehrungen nicht eingehalten wurden. Die beauftragten Bauunternehmen schrammten am Dienstag an einer Vertragskündigung vorbei – vorerst. Der größte Teil des Projekts – laut Baufirma Bilfinger Berger ein Auftrag von insgesamt 400 Millionen Euro – ist ohnehin schon umgesetzt.