KöLN - In den letzten vier Wochen dürfte der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) seine bundesweite Bekanntheit um ein Vielfaches gesteigert haben. Landauf, landab sah man die Bilder des kleinen Mannes mit dem buschigen Schnäuzer, der fassungslos durch die Geröllmassen des eingestürzten Stadtarchivs irrte. Doch mittlerweile steht Schramma auch im übertragenen Sinne vor einem Trümmerfeld. Seine politische Karriere ist zu Ende. Am Sonntag kündigte er an, im Herbst nicht wieder kandidieren zu wollen – und das Ansehen seiner Stadt liegt darnieder.

Direkte Verantwortung für das Unglück hat er nicht. Der Einsturz ist wohl die Folge des unmittelbar benachbarten U-Bahn-Baus, möglicherweise waren Grundwasser-Probleme in der Baugrube schuld. Die Bauarbeiten wurden von drei Bauunternehmen ausgeführt, Bauherr waren die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB). Schramma hat den U-Bahn-Bau zwar nie infrage gestellt, aber das haben die anderen Parteien auch nicht, einzige Ausnahme waren anfangs die Grünen.

Schrammas Krisenmanagement war mindestens unglücklich. Vor allem aber haben ihm hier andere geschadet, etwa die KVB-Spitze und der Baudezernent Bernd Streitberger (CDU), die ihn nicht darüber informierten, dass es schon im letzten September Probleme mit dem Grundwasser gegeben hatte. Beide haben sich dafür mittlerweile öffentlich bei ihm entschuldigt.

Schließlich ermittelt seit Donnerstag die Staatsanwaltschaft gegen Schramma, der nach übereinstimmendem Urteil der Kölner Lokalpresse in der Krise versagt hat, und zwar vor allem deshalb, weil er immer wieder betonte, den U-Bahn-Bau „nicht in der Verantwortung“ zu haben. Frühe Warnzeichen an der Baustelle blieben so unbeachtet.

Die NRW-CDU reagierte gelassen auf den Rücktritt. „In der Amtszeit von Schramma hat sich Köln sehr zu seinem Vorteil verändert“, teilte sein Parteifreund Ministerpräsident Jürgen Rüttgers mit und fügte hinzu: „Selbst wenn es in diesen Tagen nicht so deutlich werden mag.“