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Das Problem ist sehr viel größer

22.09.2018

Autor dieses Beitrages ist Karsten Krogmann. Der 49-Jährige ist als Chefreporter der Nordwest-Zeitung vor allem für investigative Recherchen zuständig.

Seit wir in der NWZ über Giftfunde auf Dachböden in der „Englischen Siedlung“ berichtet haben, rufen uns besorgte Menschen aus Hannover, Lüneburg oder Bad Fallingbostel an. Die Anrufer haben zweierlei gemeinsam: Sie befürchten, dass auch ihre Wohnungen mit Umweltgiften belastet sein könnten – und sie wohnen alle in sogenannten „englischen“ Häusern, die sich im Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) befinden oder befanden.

Die Interessengemeinschaft „Englische Siedlung“ Oldenburg-Alexandersfeld (IG) hat getan, was ihre Aufgabe ist: Sie hat die Interessen der Bewohner der Siedlung verfolgt. Geradezu generalstabsmäßig hat die IG mit Fernseh-Unterstützung ihr Anliegen in die Öffentlichkeit getrieben und damit die Bima, die zweifellos schwere Kommunikationsfehler begangen hat, unter Zugzwang gesetzt. Mit Erfolg: Die Bima hat sich entschuldigt, die Untersuchungen der Dachstühle hat begonnen und wird auch auf die beiden anderen „Englischen Siedlungen“ in Oldenburg ausgedehnt, „Maßnahmen“ sollen folgen, Schäden durch Giftbelastung ersetzt werden. Dafür gebührt der IG Respekt.

Allerdings ist durch die Fokussierung auf die Bima der Blick verstellt auf das eigentliche Problem: Giftbelastungen durch Holzschutzmittel sind kein Alleinstellungsmerkmal „englischer“ Häuser, sie sind ein Altbauproblem.

Hintergrund ist die deutsche Norm DIN 68 800 von 1956, die den chemischen Holzschutz gegen Pilzbefall und Insekten zum Standard erklärte. Die Folge: In den 60er-, 70er- oder 80er-Jahren behandelten Handwerker die Dachstühle bei Neubauten vorsorglich mit Holzschutzmitteln, um spätere Regressforderungen zu vermeiden. So kamen Gifte wie Lindan in die Häuser, PCN, PCP und sogar Dioxin, das bei der PCP-Herstellung entsteht. In den 2000er-Jahren verschärfte die Energiesparverordnung das Problem, weil immer mehr Altbauten gedämmt wurden; die Gifte in der Raumluft wurden förmlich eingeschlossen.

Umweltaktivist Karl-Jürgen Prull schätzt, dass Millionen von Häusern in Deutschland betroffen sind. Prull beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Thema, weil ihn die Gifte nach eigenen Angaben krank gemacht haben. Die Folge: 64 stationäre Krankenhausaufenthalte, 200 antibiotische Behandlungen, Krankmeldungen an 170 von 230 Arbeitstagen. Prull hat seine Leidensgeschichte vor einem Jahr in der NWZ erzählt.

Es gibt also Giftreste in unseren Häusern. Die Frage ist nur: Wie gefährlich sind die? Die Bundesregierung erklärt, nicht das belastete Holz an sich sei gesundheitsgefährlich: „Entscheidend ist, ob und welche Stoffe emittiert werden und dann vom menschlichen Organismus aufgenommen werden.“ Die Bima lässt in Oldenburg Staub und Raumluft untersuchen. Aber wie gefährlich sind PCP-Reste im Staub? Informationen zur täglichen Staubaufnahme von Menschen liegen nicht vor, erklärt die Bundesregierung.

Es fehlt an Forschung, es fehlt an Grenzwerten, es fehlt an Vorgaben. Sollte es verpflichtende Messungen geben? Und wer bezahlt die dann? Entsprechende Vorstöße im Bundestag, etwa vom früheren Ammerländer Abgeordneten Peter Meiwald (Grüne), fanden bislang wenig Widerhall.

Es ist das Verdienst der Interessengemeinschaft, das Problem der Schadstoffe über die Bima erneut zum Bund getragen zu haben. Nicht nur Bewohner „englischer“ Häuser sollten jetzt auf Antworten pochen.

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