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Nwz-Kolumne Zur Deutschen Bahn: Schluss mit dem Klein-Klein

20.12.2019

Neulich sind Freunde von mir zum Christkindlesmarkt nach Nürnberg gefahren, ein spontaner Kurzurlaub übers Wochenende. Sie fuhren mit dem Familiendiesel, zwei Erwachsene und drei Kinder, rund 600 Kilometer weit, das macht etwa 100 bis 120 Euro Spritkosten.

Als ich von ihrem Plan hörte, fragte ich: Weshalb fahrt ihr denn nicht mit Bahn? Dann meidet ihr die verstopften Autobahnen zur Weihnachtszeit, ihr könnt schon im Zug gemütlich einen ersten Glühwein trinken, klimafreundlicher ist eure Reise auch. Und Kinder unter 14 Jahren fahren in der Bahn sogar kostenlos mit!

Meine Freunde schauten im Internet nach, wie viel sie für die Bahnreise bezahlen müssten. Zwei Erwachsene, drei Kinder, Flexpreis 2. Klasse, kosteten demnach 574 Euro. Hinzu kämen 18 Euro für eine Sitzplatzreservierung, machte also 592 Euro.

„Wir nehmen das Auto“, entschieden sie.

Die Deutschen sollen weniger Diesel und mehr Bahn fahren, das ist der erklärte Wille der Politik. Damit die Menschen das auch tun, soll im neuen Jahr die Mehrwertsteuer auf Bahntickets im Fernverkehr von 19 auf sieben Prozent sinken. Statt 592 Euro für Fahrkarten und Sitzplatzreservierung würden meine Freunde dann nur noch 532,30 Euro bezahlen.

Wer würde sich da nicht für die Bahn entscheiden!

Im Ernst: Bahnreisen sind absurd teuer, vor allem wenn man den Normalpreis zahlen muss. (Das müssen Spontanreisende fast immer.) Ja, das liegt auch an dem ebenfalls absurden Konstrukt, dass der Staat als einziger Aktionär und somit Eigentümer der Deutschen Bahn AG seinen Kunden zusätzlich zum Fahrpreis auch noch fast 100 Euro Steuern abknöpft. Die Mehrwertsteuersenkung für Bahntickets ist allein deshalb schon eine gute Idee.

Sie zeigt aber gleichzeitig das Hauptproblem des Klimapakets: das Klein-Klein. Wer eine Verkehrswende will, muss sehr viel größer denken. Weder leichte Preissenkungen bei der Bahn noch moderate Spritpreiserhöhungen werden eine neue Mobilität befördern, schon gar nicht in einem Land, in dem ein großer Teil der (Land-)Bevölkerung mangels Alternativen auf das eigene Auto angewiesen ist. Preiserhöhungen befördern dort vielmehr das Gefühl einer Elitenbildung: Wer es sich leisten kann, fährt Auto; wer es nicht kann, kann eben auch kein Auto fahren. Ätsch.

Bahnfahren muss für alle günstiger werden. Dafür braucht es viele neue Ideen – im ersten (größeren) Schritt sollte die Bahn ihr ärgerliches Frühbucher-Lotteriespiel „Kann ich einen Sparpreis ergattern, oder muss ich das teure Flexticket nehmen?“ abschaffen.

Karsten Krogmann über absurde Bahn-Preise


@ Den Autor erreichen Sie unter 
Karsten Krogmann Redakteur / Reportage-Redaktion
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