Berlin - Angesichts Zehntausender jugendlicher Komatrinker pro Jahr hat der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn gefordert, die Eltern an den Behandlungskosten mit 100 Euro zu beteiligen. „Das Geld für den Wodka war ja auch da“, sagte Spahn am Mittwoch dem Radiosender hr1. Das FDP-geführte Bundesgesundheitsministerium hält von dem Vorstoß allerdings wenig. Die Opposition lehnt ihn sogar rundweg ab.

Das Problem ist groß – und seit Jahren scheitert die Politik daran, es zu lösen. Allein 2011 wurden wegen Komasaufens 26 349 Jungen und Mädchen zwischen 10 und 19 Jahren stationär in einer Klinik behandelt – 354 mehr als 2010, aber 79 weniger als 2009. Laut einer vor einem Jahr vorgestellten Studie zur Drogenaffinität Jugendlicher betrinkt sich mehr als die Hälfte der jungen Männer zwischen 18 und 25 einmal im Monat oder häufiger bis zum Umfallen.

Passend zur Fastenzeit wartete Spahn, gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, mit seinem Vorstoß auf. Durch die jugendlichen Komatrinker würden unnötig Personal und Geld im Gesundheitswesen gebunden, sagte er. „Man sollte Eltern pauschal mit 100 Euro an den Behandlungskosten beteiligen, um sie an ihre Verantwortung zu erinnern.“

Der Widerstand kam prompt von der nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) und der SPD-Drogenpolitikerin Angelika Graf. Auch von Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat Spahn kaum Unterstützung zu erwarten. Im Sozialgesetzbuch finde sich schon eine Klausel, nach der Kassen die Versicherten, die sich vorsätzlich schädigen, an den Kosten beteiligen könnten.