Wesermarsch - Da braut sich was zusammen im Landkreis: Rund 250 Zuhörer waren am Dienstagabend ins Kreishaus gekommen. Sie alle wollten wissen: Was ist jetzt mit dem Wolf? Kommt er? Kommt er nicht? Und wie schützen wir uns gegen ihn?

Frank Faß, Betreiber des Wolfcenters Dörverden, hatte als Hauptredner des Abends streckenweise Mühe, die Emotionen der Zuhörer zu besänftigen. Dass der Wolf in den Kreis kommen wird ­­­– daran gibt es nach Meinung der Experten keine Zweifel. Faß riet den Nutztierhaltern dazu, sich vorzubereiten. Herdenschutz, lautet das Stichwort.

Für die Tierbesitzer im Landkreis wird das jedoch eine kostspielige Angelegenheit. Denn: Die Wesermarsch ist nach Auskunft des Experten Teil einer kleinen Anzahl von Kreisen in Niedersachsen, die vom Land keine vorrangigen Fördergelder für solche Maßnahmen bekommen. „Ich weiß“, beschwichtige Faß die Zwischenrufe der Zuhörer, „das ist ungerecht und nicht erklärlich. Eigentlich sollten alle Landkreise gleich behandelt werden.“

Am Herdenschutz führt jedoch kein Weg vorbei. „Sind die Tiere nicht geschützt und der Wolf tötet sie, gibt es vom Land keinen Schadenersatz“, mahnte Faß. Für große Schäfereien kann die Einzäunung der Weiden jedoch bis zu 40 000 Euro kosten, warf ein Zuhörer ein. Das sei nicht zu finanzieren.

Sorge bereitete den Zuhörern auch die Frage, wie viele Nachkommen der Wolf zeugen kann. „Ich kenne diese fiktiven Berechnungen, die da im Internet kursieren“, sagt Faß. Fakt ist: Der Wolf kann einmal im Jahr Junge kriegen, bis zu elf Stück. „Wir gehen im Schnitt von sechs aus“, sagt Faß. In zehn Jahren vermehrt sich ein Wolfspaar demnach auf durchschnittlich 60 Wölfe.

Das Argument, dass die Tiere sich ja nicht alle im Landkreis Wesermarsch aufhalten würden, beruhigte insbesondere die Schäfer nicht.

„Diese Veranstaltung hat mir meine Angst nicht genommen“, gestand Landwirt Cord von Runnen. Seine Tiere stünden bisher draußen, auf der Weide. Gerade erst habe er sich dem Weideprogramm der örtlichen Molkerei angeschlossen. Was soll passieren, wenn der Wolf kommt? Kommen die Tiere dann in den Stall? „Ich habe Angst um meine Tiere“, sagt von Runnen. Beifall brandet im Saal auf.

Bis in den späten Abend, viel länger als geplant, diskutieren die Zuhörer mit den Referenten, unter ihnen auch die ehrenamtlichen Wolfsberater aus der Marsch und den umliegenden Landkreisen. Sie wünschten sich beim Thema Wolf vor allem eins: einen sachlichen Diskurs.