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20. Juli 1944 Konservativer Katholik gegen Naziterror

Cloppenburg - Ihren Großvater hat die Cloppenburgerin Rita Moormann nie kennengelernt. Sie wurde erst 1950 geboren, sechs Jahre nachdem Dr. Paul Lejeune-Jung – der Vater ihrer Mutter Elisabeth – als Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus hingerichtet worden war. Lejeune-Jung, der 1882 in Köln geboren wurde und in Berlin gelebt hatte, gehörte zum erweiterten Kreis der Gruppe um Graf Stauffenberg, die am 20. Juli 1944 das Attentat auf Adolf Hitler verübte.

Gauck hält Gedenkrede

Die Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag des Attentats auf Hitler gehen an diesem Wochenende, 19. und 20. Juli, in Berlin über die Bühne. Moormann und einige andere Verwandte fahren wieder hin – Höhepunkt ist wohl die Gedenkveranstaltung der Bundesregierung und der „Stiftung 20. Juli“ am Sonntagmittag im Ehrenhof des Bendlerblocks. Die Gedenkrede von Bundespräsident Dr. h.c. Joachim Gauck wird von 12 bis 13 Uhr live im Fernsehen (Das Erste) übertragen.

1968 erstmals dabei

Das erste Mal war Moormann als 18-Jährige gemeinsam mit ihrem Bruder Peter 1968 bei den Gedenkfeierlichkeiten in Berlin gewesen. „Als ich die Haken in Plötzensee sah, dachte ich: ,Mein Gott, hier hat man Deinen Großvater aufgehängt’.“

Erst 1994 – zum 50. Jahrestag – fuhr Moormann zum zweiten Mal zu den Gedenkfeiern. „Meine damals 72-jährige Tante Maria, die sich die Fahrt nicht mehr allein zutraute, hatte mich darum gebeten“, erinnert sich Moormann. Es sei für sie, die damalige Essener Grundschullehrerin, seinerzeit nicht so einfach gewesen, frei zu bekommen, obwohl der Termin wenige Tage vor den Sommerferien lag. „Ab da haben wir dann mehr oder weniger regelmäßig an den Gedenkfeierlichkeiten teilgenommen.“

Kaum noch Augenzeugen

Begleitet wurde sie 1994 auch von ihrem damals 18-jährigen Sohn Dietmar, der in der zwölften Klasse war. Es sei wichtig – so Moormann – dass sich auch junge Menschen an das Unrecht von damals erinnerten. Das gelte heute ganz besonders, weil es ja kaum noch Augenzeugen gebe.

Nicht in Pläne eingeweiht

Lejeune-Jung, Geschäftsführer des Vereins Deutscher Zellstofffabrikanten und von 1924 bis 1930 Reichstagsabgeordneter, hatte seinerzeit ein wirtschaftspolitisches Konzept für die Zeit nach einem erfolgreichen Sturz der Diktatur entwickelt. Zudem sollte er auf Vorschlag von Carl Goerdeler Wirtschaftsminister in einem Kabinett nach der Entmachtung Hitlers werden. In die konkreten Planungen des Attentats war Lejeune-Jung nach eigenen Aussagen vor dem Volksgerichtshof nicht eingeweiht gewesen.

Dass er dafür zum Tode verurteilt wurde, sei – so der Anwalt der Familie, Ernst Falk – auch unter Zugrundelegung der nationalsozialistischen Rechtsprechung ein „sehr schweres Unrechts-Urteil“ gewesen. Dieses wurde erst am 16. April 1952 auf Antrag von Lejeunes Witwe Hedwig vom Landgericht Berlin formal aufgehoben.

Nichts erzählt

„Am Ende ihres Lebens lebte meine Großmutter noch vier Jahre in meinem Elternhaus in Twist. Als sie starb, war ich 15 Jahre alt. Sie hat nie von den damaligen Ereignissen erzählt“, erinnert sich Moormann.

Dafür sind ihr aber zwei Büffetschränke ihrer Großeltern aus dem Jahre 1913 geblieben, die heute im Moormannschen Haus an der Leipziger Straße in Cloppenburg stehen. Auf den Möbeln stehen Fotografien des Großvaters, die Rita Moormann häufig – „vor allem beim Abstauben“ – an den Widerstandskämpfer erinnern. „Erstaunlich, dass die Möbel in Berlin zwei Weltkriege überstanden haben.“

Gedenkplatte

Außerdem gibt es noch eine Gedenkplatte, die ihr Vater Dr. Bernhard Brinkmann vor vielen Jahren habe anfertigen lassen. Ihr Großvater, so Moormann, sei ein tief gläubiger Katholik mit konservativen Grundüberzeugungen gewesen – und dem Glauben an die rechtsstaatliche Ordnung. Dass er dafür mit dem Leben bezahlte, dafür bewundert Rita Moormann den Mann, den sie nie kennengelernt hat.

Cloppenburg - Ihren Großvater hat die Cloppenburgerin Rita Moormann nie kennengelernt. Sie wurde erst 1950 geboren, sechs Jahre nachdem Dr. Paul Lejeune-Jung – der Vater ihrer Mutter Elisabeth – als Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus hingerichtet worden war. Lejeune-Jung, der 1882 in Köln geboren wurde und in Berlin gelebt hatte, gehörte zum erweiterten Kreis der Gruppe um Graf Stauffenberg, die am 20. Juli 1944 das Attentat auf Adolf Hitler verübte.

Gauck hält Gedenkrede

Die Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag des Attentats auf Hitler gehen an diesem Wochenende, 19. und 20. Juli, in Berlin über die Bühne. Moormann und einige andere Verwandte fahren wieder hin – Höhepunkt ist wohl die Gedenkveranstaltung der Bundesregierung und der „Stiftung 20. Juli“ am Sonntagmittag im Ehrenhof des Bendlerblocks. Die Gedenkrede von Bundespräsident Dr. h.c. Joachim Gauck wird von 12 bis 13 Uhr live im Fernsehen (Das Erste) übertragen.

1968 erstmals dabei

Das erste Mal war Moormann als 18-Jährige gemeinsam mit ihrem Bruder Peter 1968 bei den Gedenkfeierlichkeiten in Berlin gewesen. „Als ich die Haken in Plötzensee sah, dachte ich: ,Mein Gott, hier hat man Deinen Großvater aufgehängt’.“

Erst 1994 – zum 50. Jahrestag – fuhr Moormann zum zweiten Mal zu den Gedenkfeiern. „Meine damals 72-jährige Tante Maria, die sich die Fahrt nicht mehr allein zutraute, hatte mich darum gebeten“, erinnert sich Moormann. Es sei für sie, die damalige Essener Grundschullehrerin, seinerzeit nicht so einfach gewesen, frei zu bekommen, obwohl der Termin wenige Tage vor den Sommerferien lag. „Ab da haben wir dann mehr oder weniger regelmäßig an den Gedenkfeierlichkeiten teilgenommen.“

Kaum noch Augenzeugen

Begleitet wurde sie 1994 auch von ihrem damals 18-jährigen Sohn Dietmar, der in der zwölften Klasse war. Es sei wichtig – so Moormann – dass sich auch junge Menschen an das Unrecht von damals erinnerten. Das gelte heute ganz besonders, weil es ja kaum noch Augenzeugen gebe.

Nicht in Pläne eingeweiht

Lejeune-Jung, Geschäftsführer des Vereins Deutscher Zellstofffabrikanten und von 1924 bis 1930 Reichstagsabgeordneter, hatte seinerzeit ein wirtschaftspolitisches Konzept für die Zeit nach einem erfolgreichen Sturz der Diktatur entwickelt. Zudem sollte er auf Vorschlag von Carl Goerdeler Wirtschaftsminister in einem Kabinett nach der Entmachtung Hitlers werden. In die konkreten Planungen des Attentats war Lejeune-Jung nach eigenen Aussagen vor dem Volksgerichtshof nicht eingeweiht gewesen.

Dass er dafür zum Tode verurteilt wurde, sei – so der Anwalt der Familie, Ernst Falk – auch unter Zugrundelegung der nationalsozialistischen Rechtsprechung ein „sehr schweres Unrechts-Urteil“ gewesen. Dieses wurde erst am 16. April 1952 auf Antrag von Lejeunes Witwe Hedwig vom Landgericht Berlin formal aufgehoben.

Nichts erzählt

„Am Ende ihres Lebens lebte meine Großmutter noch vier Jahre in meinem Elternhaus in Twist. Als sie starb, war ich 15 Jahre alt. Sie hat nie von den damaligen Ereignissen erzählt“, erinnert sich Moormann.

Dafür sind ihr aber zwei Büffetschränke ihrer Großeltern aus dem Jahre 1913 geblieben, die heute im Moormannschen Haus an der Leipziger Straße in Cloppenburg stehen. Auf den Möbeln stehen Fotografien des Großvaters, die Rita Moormann häufig – „vor allem beim Abstauben“ – an den Widerstandskämpfer erinnern. „Erstaunlich, dass die Möbel in Berlin zwei Weltkriege überstanden haben.“

Gedenkplatte

Außerdem gibt es noch eine Gedenkplatte, die ihr Vater Dr. Bernhard Brinkmann vor vielen Jahren habe anfertigen lassen. Ihr Großvater, so Moormann, sei ein tief gläubiger Katholik mit konservativen Grundüberzeugungen gewesen – und dem Glauben an die rechtsstaatliche Ordnung. Dass er dafür mit dem Leben bezahlte, dafür bewundert Rita Moormann den Mann, den sie nie kennengelernt hat.

Carsten Mensing
Carsten Mensing Redaktion Münsterland
Carsten Mensing
Carsten Mensing Redaktion Münsterland
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