Hude - Wulf Wolke, Sprecher der ehrenamtlichen Betreuer im Huder Netzwerk Asyl, wünscht sich noch mehr Bürgerinnen und Bürger, die die wichtig Integrationsarbeit vor Ort unterstützen. Auf Einladung der Agenda 21-Frauen berichtete Wolke im Gasthaus Burgdorf über die Arbeit der Ehrenamtlichen.
Es sei toll, dass sich innerhalb eines knappen Dreivierteljahres schon so viele Betreuer gefunden hätten, sagte Marlies Pape, Sprecherin der Agenda-Frauen.
Männer und Frauen aus Hude kümmern sich sehr engagiert um jene Menschen, die auf ihrer Flucht im Klosterort gestrandet sind. „Das ist noch nicht das Ende“, so Wulf Wolke zu dem Flüchtlingsstrom aus Krisengebieten.
Begleitung zum Arzt und zu Behörden, gemeinsame Ausflüge, Mobiliar für die Wohnungen besorgen, gebrauchte Fahrräder organisieren, Kontakte knüpfen zu örtlichen Institutionen, Vorurteile in der Bevölkerung abbauen, zusätzlichen Deutschunterricht organisieren – es gibt unheimlich viel zu tun für die Ehrenamtlichen.
„Oft sind wir auch eine Art Seelsorger“, so Wolke. In den vergangenen Monaten hätten sich sehr intensive Beziehungen aufgebaut. Die Betreuer werden mit vielen auch ganz persönlichen Problemen der Flüchtlinge konfrontiert. Sie versuchen, rechtzeitig einzugreifen und zu helfen. Vor allen Dingen dann, wenn depressive Stimmung aufkommt.
„Ihr seid unsere Eltern hier in Deutschland“, weiß Wolke von seinen Schützlingen, die aus Eritrea kamen. Über das Mittelmeer, wie viele ihrer Landsleute. Sie waren Monate, manchmal auch Jahre unterwegs. Und sie haben es geschafft, am Leben zu bleiben auf ihrer Flucht. Was vielen anderen nicht gelang, die im Meer ertrunken sind.
Die Flüchtlinge in Hude kommen nicht nur aus Eritrea, sondern auch aus Afghanistan und dem Sudan oder aus dem Kosovo.
Monika Saat betreut Erwachsene und Kinder aus Afghanistan. Sie wünscht sich „Paten“ für einzelne Kinder in diesen Familien. Menschen, die zum Beispiel bei den Hausaufgaben helfen, vielleicht mal einen Ausflug organisieren.
Der Kontakt „von Mensch zu Mensch“, wie es Marlies Pape von den Agenda-Frauen nennt, ist unheimlich wichtig. Auch für das Erlernen der deutschen Sprache.
„Der Schlüssel ist die Sprache“, betonte Gisela Behrends als Teilnehmerin der Runde. „Jede Unterhaltung führt zu besseren Deutschkenntnissen.“
Wie wichtig die Sprachkenntnisse sind, hat auch Wulf Wolke festgestellt, der sich, wie seine Mitstreiter, derzeit bemüht, den Flüchtlingen – wenn sie denn nach der zweiten Anhörung im Verfahren ein Aufenthaltsrecht erhalten und arbeiten dürfen – Wege in die hiesige Arbeitswelt zu öffnen. Einige Arbeitgeber seien grundsätzlich schon bereit, jemanden zum Beispiel für ein Praktikum aufzunehmen. Aber zurzeit scheitere es an der Sprache.
Ein langer Weg, der über einen 600-stündigen Integrationskurs führt, steht den Flüchtlingen bevor. Zurzeit sei man dabei, in Absprache mit der Gemeinde, erst einmal festzustellen, welche schulischen und beruflichen Qualifikationen überhaupt vorhanden seien, so Wulf Wolke.
