KOPENHAGEN - Zitterpartie in Kopenhagen: Mehr als 100 Staats- und Regierungschefs setzen alle Hebel in Bewegung, um den Klimagipfel vor dem Scheitern zu retten. Dass Verhandlungsführer und Gastgeber Dänemark am Donnerstag resignierte und keinen weiteren Kompromissvorschlag machte, zeigte den Ernst der Lage. Statt eines Abkommens im Kampf gegen den Klimawandel dürfte es zum Ende der Marathon-Konferenz in Kopenhagen nur eine unverbindliche Erklärung geben.
Ein Zeichen des guten Willens setzten ausgerechnet die als Klimasünder verschrienen Amerikaner. US-Außenministerin Hillary Clinton kündigte erstmals an, in einen 100-Milliarden-Topf für die Entwicklungsländer zu zahlen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rief in Kopenhagen zu einer Kraftanstrengung auf, um ein Scheitern zu verhindern. Merkel: „Wenn wir nach Hause fahren und erklären wollen, warum wir hier nichts geschafft haben“, dann werde es „ein schreckliches Signal für alle sein, die unserer Welt im 21. Jahrhundert eine gute Zukunft geben wollen.“ Sie machte keine neuen Zusagen.
Merkel, Clinton, der britische Premier Gordon Brown und Chinas Regierungschef Wen Jiabao führten unermüdlich Sondierungsgespräche, um die Verhandlungen in ihrem Sinne voranzutreiben. Ziel war vor allem eine Einigung zwischen den Industrieländern und den großen Schwellenländern China, Indien, Brasilien und Südafrika. Die EU hielt einen Mini-Gipfel zur Abstimmung ab.
Als wahrscheinlich galt nach Einschätzung von Diplomaten, dass die Staats- und Regierungschefs nur noch über eine Schlusserklärung verhandeln, die keinerlei verbindliche Ziele für eine Verringerung des Treibhausgasausstoßes enthält.
Kommentar, S.4
Hintergrund, S.6
