Nordenham - Wer im Gateteich-Park spazieren geht, wird in der Regel vom Gekrächze hunderter Krähen begrüßt. Im Friedeburg-Park und am Ilseplatz sieht es nicht anders aus. Kein Wunder, dass die Anwohner genervt sind. Gerade erst hat sich bei der Stadtverwaltung ein Vermieter gemeldet und nachgefragt, ob sie etwas gegen die Krähen tun könne. Eine Mieterin sei ausgezogen, weil sie den Lärm nicht mehr ertragen konnte.
Viele Beschwerden
Seit Jahren gibt es Beschwerden über die Vögel, die sich in den hohen Bäumen der Parkanlagen niedergelassen haben. Frank Goldau, der stellvertretende Leiter des Ordnungsamtes, kann das bestätigen. „Das Problem ist bekannt. Es gibt immer wieder Anrufe.“
Zu den Betroffenen gehört auch Wilhelm Stührenberg, dessen Grundstück direkt an den Gateteiche-Park grenzt. Auch er ist genervt von den Krähen, die gerade in der Brutzeit besonders viel Krach machen. Er und seine Frau werden morgens von den Vögeln geweckt. „Nachts müssen die Fenster geschlossen bleiben. Sonst ist an Schlaf nicht zu denken“, sagt Wilhelm Stührenberg. Unterhaltungen auf der Terrasse seien wegen des Lärmpegels kaum möglich.
Weil Wilhelm Stührenberg Jäger ist, hat er von der Stadt die Genehmigung bekommen, die Tiere vor der Brutzeit mit Pyrotechnik zu verscheuchen. Der Erfolg hielt sich aber in Grenzen. Die Vögel haben sich einige Bäume weiter ein neues Plätzchen gesucht. Einige sind kurze Zeit später wiedergekommen. Und während der Brutzeit sind solche Vergrämungsmaßnahmen tabu. Dabei seien sie gerade jetzt erfolgversprechend, glaubt Wilhelm Stührenberg.
Die Bekämpfung der Saatkrähen ist nicht ohne Weiteres möglich, weil sie unter Naturschutz stehen. Dabei hat sich die Population in den vergangenen 30 Jahren ständig erhöht: von einem Tiefstand, der bei 4000 Brutpaaren lag, ist er auf inzwischen 18 000 Brutpaare in ganz Niedersachsen angestiegen.
Die SPD-Stadratsfraktion hält den Schutz der Saatkrähe angesichts solcher Zahlen und der Probleme, die die Vögel verursachen, für nicht mehr zeitgemäß. In einem Schreiben an Bürgermeister Hans Francksen fordert sie, dass sich die Stadt für eine Gesetzesänderung einsetzt (die NWZ berichtete).
Noch wichtiger ist den Sozialdemokraten, dass die Verwaltung in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde prüft, ob ein Ausnahmeantrag nach dem Naturschutzgesetz zur Bekämpfung von Saatkrähen Aussicht auf Erfolg hat. Neben der Lärmbelästigung sehen die Sozialdemokraten auch durch die Verkotung von Spielplätzen, Privatgrundstücken sowie Geh- und Radwegen eine Gesundheitsgefahr. Die SPD will, dass das Thema bei der nächsten Sitzung des Umweltausschusses auf die Tagesordnung kommt.
Neue Nester
In einem Gespräch mit Lutz Winkelmann von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises hatte sich die Fraktion informiert. Dabei erfuhr die SPD, dass die Hürden für die Erteilung einer Ausnahmeregelung für das Vertreiben der Saatkrähen nicht unüberwindbar sind. Lutz Winkelmann gibt aber zu bedenken, dass die Entfernung einer Kolonie zu unerwünschten Neuansiedlungen führen könnte. Die Erfahrungen in anderen Kommunen seien alles andere als viel versprechend. Oft haben sich die Vögel im Folgejahr neue Nester am alten Standort gebaut.
