Friesoythe/Chiang Mai - Die Unruhen in Thailand nehmen kein Ende. Das Ziel der Protestler: Sie wollen die Regierungschefin Yingluck Shinawatra und ihren Bruder Thaksin, der ihrer Meinung nach aus dem Exil die Regierung kontrolliert, entmachten. Fünf Tote und rund 250 Verletzte sind laut Auswärtigem Amt die bisherige schreckliche Bilanz. Die Friesoyther Anne Rieken lebt seit einigen Monaten in Thailand und berichtet in der NWZ  von ihren Erlebnissen.

Sie wohnt im Norden des Landes, in Chiang Mai. „Hier ist es noch recht ruhig“, erzählt sie und hofft, dass das auch so bleibt. Große Hoffnung hat sie aber nicht. Sie war bereits 2010 in Thailand, als es ebenfalls zu schweren Krawallen kam. Als sie bei den starken Unruhen in Bangkok war, habe „die ganze Stadt durch die erhitzten Gemüter gebrodelt. Da schwappte es auch in den Norden über. Es wurden Ausgangssperren verhängt und man durfte nicht mehr in Gruppen auf die Straße“, erinnert sich Rieken, die in dem asiatischen Land das selbst ins Leben gerufene Hilfsprojekt „Thai Care“ betreut.

Derzeit könne sie beobachten, wie immer mehr Demonstranten auch aus dem Norden mobilisiert werden. In den Zeitungen sei zu lesen, dass aus den ganzen Provinzen jede Menge Verstärkung für beide Lager herangekarrt werde, berichtet Rieken. Alles sei zudem durch eine extreme Aggressivität bestimmt, und die junge Friesoytherin ist überzeugt: „So lange die Regierung nicht zurücktritt, werden die Krawalle auch kein Ende haben und sich nur noch verschlimmern.“

Eine Situation, die sie auch privat betrifft, denn Ende Dezember kommen ihre Eltern zu Besuch. „Wir haben geplant, die ersten Tage in Bangkok zu verbringen, aber das können wir uns wohl abschminken“, sagt Anne Rieken.

Der Königspalast und der 50 Meter lange, vergoldete liegende Buddha – zwei Hauptsehenswürdigkeiten in Bangkok – liegen auch noch direkt im Gefahrengebiet. Sie habe am Donnerstag mit einem Bekannten aus Bangkok gesprochen und der habe dringend davon abgeraten, auch nur in die Nähe dieser Sehenswürdigkeiten zu gehen. „Deswegen wird natürlich der Bangkok-Aufenthalt meiner Eltern auch sehr eingeschränkt sein. Wir werden diese Gebiete total meiden müssen. Wenn sich die Lage verschlimmert, werden wir die Flüge ohnehin umbuchen und Bangkok gar nicht betreten“, berichtet die Vorsitzende des Vereins „Thai Care“. Viel Zuversicht auf eine Besserung der Lage hat sie nicht: „Ich befürchte, dass die Unruhen im Land in nächster Zeit noch weiter ausarten werden.“

In der nächsten Woche wird Anne Ricken in der NWZ  von ihrem Hilfsprojekt berichten.

Carsten Bickschlag
Carsten Bickschlag Redaktion Münsterland (Leitung Cloppenburg/Friesoythe)