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Lage auch im Nordwesten ernst: Mediziner befürchten deutlich höhere Krebssterblichkeit

21.04.2021

Heidelberg /Oldenburg Mitten in der dritten Corona-Welle zeichnet die Corona-Taskforce der Deutschen Krebshilfe, des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und der Deutschen Krebsgesellschaft ein düsteres Bild. „Die Krebssterblichkeit wird deutlich nach oben schnellen“, erwartet der DKFZ-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Michael Baumann: „Wir werden künftig mit vielen Patienten konfrontiert, deren Krebserkrankung zu spät entdeckt wurde und deren Heilungschancen dadurch verringert sind.“

Angesichts der fortschreitenden Überlastung der Intensivstationen drohe ein Kollaps des Versorgungssystems. Als Folge könnten viele schwer kranke Menschen nicht mehr intensivmedizinisch behandelt werden. Ohne eine schnelle Kehrtwende der Corona-Lage könne eine adäquate und zeitgerechte Versorgung der Krebspatienten in Deutschland nicht mehr uneingeschränkt sichergestellt werden. Die Pandemie-bedingten Versorgungseinschränkungen haben sich „nie so einschneidend verändert wie in der jetzigen dritten Welle“, heißt es in einer Erklärung der Corona-Taskforce.

Dass die Lage auch in unserer Region ernst ist, bestätigt der Oldenburger Krebsmediziner Prof. Dr. Claus-Henning Köhne. „Wir sehen mit großer Sorge, dass die Intensivkapazitäten knapp werden, und fürchten in Zukunft notwendige Behandlungen nicht mehr durchführen zu können“, betont der 1. Vorsitzende des Tumorzentrums Weser-Ems. Zudem zeige sich jetzt, dass Krebsvorsorge und -nachsorgetermine in Zeiten von Corona in vielen Fällen zu spät oder gar nicht wahrgenommen werden, berichtet Prof. Köhne. „Wir beobachten, dass vermehrt Krebspatienten mit einer schon fortgeschrittenen Erkrankung zu uns kommen.“

Mit Blick auf die dramatische Entwicklung fordern die Fachorganisationen, dass auch in Zukunft ausreichend Kapazitäten für die Behandlung von Krebspatienten vorhanden sein müssen. Im Überlastungsfall müsse sichergestellt sein, dass die Patientenversorgung von anderen Einrichtungen in der Region übernommen werde. Genau das sei bislang nicht gegeben. Die Politik habe es versäumt, eine Strategie für die Herausforderungen im Gesundheitssystem während der Pandemie zu entwickeln.

In der dritten Corona-Welle gebe es nun dringenden Handlungsbedarf. Die Versorgungsnot sei „dramatischer als zuvor“ , kritisiert Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe: „Wir haben Zweifel, ob wirklich allen politisch Verantwortlichen bewusst ist, dass die 1400 Menschen, die jeden Tag die Diagnose Krebs erhalten, zeitnah versorgt werden müssen.“

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