Lemwerder/Berne - Genau 990 Frauen aus Lemwerder haben per Post die Einladung erhalten, an einer Brustkrebsfrüherkennungsuntersuchung teilzunehmen, während das Mammobil Station gemacht hat in Lemwerder. Rund 600 davon haben das Angebot in Anspruch genommen, teilt das Screening-Büro in Wittmund jetzt auf NWZ -Anfrage mit. Christel Krapp-Heckers allerdings war nicht unter diesen Frauen. Und das fand die Lemwerderanerin gar nicht gut.
„Als mein Blick auf diesen Spruch am Mammobil fiel, habe ich mich sehr geärgert. Ja, ich finde es geradezu diskriminierend“, sagt Christel Krapp-Heckers. „Ich mag mein Leben. Und so soll es bleiben“, ist auf der Seitenwand des Mammobils gedruckt.
„Ich mag mein Leben auch. Aber ich werde, weil ich das 70. Lebensjahr überschritten habe, nicht mehr zur Mammografie eingeladen“, sagt die in der Lemwerderaner Kinderkrebshilfe und beim Eine-Welt-Laden ehrenamtlich engagierte Frau.
Ausgiebig diskutiert
So wie sie empfinden viele, sagt die 73-Jährige. Im Seniorenkreis habe man bereits ausgiebig darüber diskutiert und die Altersgrenze für sehr unsensibel befunden. Besonders, wenn es in der Familie Sterbefälle durch Brustkrebs gegeben habe. „Auch wenn sich die Zellen nicht mehr ganz so schnell teilen, wie in jungen Jahren, ist das Risiko, an Krebs zu erkranken, mit zunehmenden Alter sogar größer“, pflichtet ihr Ursula Knuth bei.
Sie würde sich auch wünschen, dass das anders wäre, sagt Birgitt Kampen-Neumann vom Untersuchungsteam des Mammobils. Die Vorwürfe kann sie allerdings so nicht stehen lassen. Eine Studie habe ergeben, dass Brustkrebs zwischen 50 und 70 Jahren am häufigsten ausbreche. Hinzu käme, dass nach dem Klimakterium viele Frauen die jährlichen Vorsorgetermine beim Frauenarzt vernachlässigen würden. Aufgrund der zur Verfügung stehenden Mittel sei die Einladung, die den 50- bis 69-Jährigen alle zwei Jahre ins Haus flattert, ein Service, den leider nicht alle genießen können.
Aber auch Frauen jenseits des 70. Lebensjahr hätten mit einer Überweisung ihres Frauenarztes alle zwei Jahre weiterhin Anspruch auf diese Untersuchung. Wichtig sei auf jeden Fall, dass die jährlichen Vorsorgeuntersuchungen wahrgenommen werden, betont Kampen-Neumann.
Praxen nicht ausgerüstet
Im Mammobil kann das Brustsrceening dann allerdings nicht mehr durchgeführt werden, hieß es auf Nachfrage bei der zentralen Terminvergabestelle in Bremen. „Und das ist gerade für ältere, nicht ganz so mobile Frauen auf dem Land ein Problem. Schließlich sind nur wenige Frauenarztpraxen mit den entsprechenden Gerätschaften ausgerüstet“, bedauert Christel Krapp-Heckers.
Zwar in der entsprechenden Altersgruppe, jedoch vom Screening ganz ausgeschlossen sind Flüchtlingsfrauen. „Trotz Bleibestatus übernehmen die Kassen nicht die Untersuchungskosten“, hat Wenke Nymark-von Lübken kein Verständnis für diese Ungleichbehandlung.
Die Lemwerderaner Gleichstellungsbeauftragte hat es zwei betroffenen Neu-Lemwerderanerinnen darum aus ihrem Budget ermöglicht, am Brustscreening teilzunehmen.
Die Gleichstellungsbeauftragte wünscht sich sehr, dass alle Frauen den Service des Mammobils in Anspruch nehmen könnten. Viel wichtiger seien jedoch die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen, mit denen weit mehr mögliche Erkrankungen abgedeckt wird, als die Suche nach Brustkrebs, betonen Wenke Nymark-von Lübken und Birgitt Kampen-Neumann übereinstimmend.
Im Landkreis unterwegs
Das Mammobil ist bereits seit einigen Wochen in der Wesermarsch unterwegs. Nach Stationen in der Kreisstadt Brake, in der Gemeinde Ovelgönne, in der Stadt Elsfleth sowie in den Gemeinden Berne und Lemwerder steuert das Mammobil zurzeit die nördlichen Wesermarsch-Kommunen an. Vom 25. Mai bis 9. August etwa steht das Mammobil in Nordenham (die NWZ berichtete).
